206  Friedrich  Wilhelm  II.,  König  von  Preussen  und  Danton.

Die  Unentschlossenheit,  welche  das  oberste  Armeecommando
am  20.  September  lähmte,  wirkte  auf  die  Armee  und  zerstörte
die  Zuversicht,  mit  welcher  der  preussische  Soldat  bisher  zu  dem
königlichen  Kriegsherrn  hinaufblickte.  Nachdem  der  Rückzug
bis  Luxemburg  unter  dem  freundlichen  Geleit  der  französischen
Truppen  die  Wege  mit  den  Opfern  der  Seuche,  gefallenen  Rossen
und  mit  den  Trümmern  der  Bewaffnung  besäet  hatte,  geschah
auch  der  Vormarsch  nach  dem  Main  mit  zögemnder  und  unbehilflicher
  Vorsicht.  Man  hielt  jede  Unternehmung  gegen  die
schwachen  Schwärme  des  Feindes  für  zu  schwierig  und  gewagt,
die  Armee,  der  man  kein  Vertrauen  schenkte,  verlor  auch  das
Selbstvertrauen  und  da  im  Kreis  der  jüngeren  Führer  die  Verzweiflung
  an  der  eigenen  Kraft  um  sich  grff,  eine  Anregung
weder  erwartet  noch  gestattet  war,  konnten  sich  auch  keine
nenen,  das  Ganze  belebenden  Kräfte  bilden.

Der  Herzog  Karl  Wilhelm  Ferdinand  von  Braunschweig,
zum  kommandirenden  General  der  verbündeten  preussischen  und
österreichischen  Truppen  für  den  Feldzug  gegen  Frankreich  bestimmt,
  stand  von  vornherein  unter  dem  Druck  der  Voraussetzungen,
  mit  denen  man  in  der  Potsdamer  Conferenz  vom
11.  Februar  1792  unter  dem  Vorsitz  des  Königs  den  Krieg  beschlossen
  hatte  und  die  er  dann  in  seiner  Denkschrift  vom
19.  Februar  zusammenstellte.  Den  llintergrund  des  Kreuzzuges
zur  Befreiung  des  Königs  von  Frankreich  aus  den  Fesseln  der
Revolution  bildete  der  Wunsch  der  Kaiserin  Katharina,  dem
Zarenreich  in  Polen  ein  vorgeschobenes  Kriegslager  gegen  den
Westen  zu  schaffen,  und  ihr  Versprechen,  Preussen  mit  einem
Antheil  an  dem  polnischen  Gewinn  für  seine  Anstrengungen
jenseits  des  Rheins  zu  belolmen.  Da  aber  die  Potsdamer  Beschlüsse
  und,  mit  ihnen  einverstanden,  der  Herzog  den  polnischen
Erwerbungen  vor  etwaigen  Eroberungen  in  Frankreich  den
Vorzug  gaben,  so  war  der  Blick  des  preussischen  Cabinets  und
Kriegsraths  von  vornherein  zwischen  dem  Rhein  und  der  Weichsel
getheilt  und  danach  auch  das  Aufgebot  gegen  Frankreich  kärglich
abgemessen.  kin  gleicher  Riss  durchzog  von  Anfang  an  das
preussische  Verhältniss  zu  dem  verbündeten  Österreich,  dessen
Einwilligung  zu  den  Veränderungen  in  Polen  und  zur  Ausdehnung
  Preussens  im  Norden  des  Kaiserstaats  man  erst  gewinnen
  musste,  während  man  nicht  Mannschaft  genug  am  Rhein
stellte,  um  österreichische  Eroberungen  in  Frankreich  zu  unter-