2.)  Die  Rheincampagne  von  1793  und  Danton's  Friedensarbeiten.  207

stützen,  und  die  eigene  Hauptmacht  vielmehr  in  Reserve  behielt,
damit  man  für  die  Revolution  im  Osten  sich  nicht  entblösse.
Über  die  Gefahren,  welche  diese  Theilung  des  Blicks  und  das
Doppelverhältniss  zu  Österreich  am  Rhein  und  an  der  Weichsel
mit  sich  bringen  mussten,  ging  man  Anfangs  noch  leicht  hinweg,
da  man,  nach  dem  Ausdruck  Bisclhofswerder's,  der  „Komödie“
in  Frankreich  keine  lange  Dauer  versprach  und  fest  darauf
rechnete,  dass  die  aristokratischen  Freunde  dem  preussischen
Commando  sofort  beim  Einrücken  in  das  Land  die  versprochenen
Schlüssel  zu  den  festen  Plätzen  entgegenbringen  würden.

Der  Herzog  selbst,  unterrichtet  und  arbeitsam,  wie  die
musterhafte  Verwaltung  seines  Landes  bewies,  hielt  sich  bei
seiner  weltmännischen  Zurückhaltung,  mit  der  er  eine  oft  bis
zur  Gesuchtheit  übergehende  Höflichkeit  und  Geschmeidigkeit
verband,  für  einen  grossen  Politiker,  obwohl  ihm  jede  männliche
Entschlusskraft  dazu  fehlte,  um:  dem  König  gegenüber,  selbst
wenn  es  sich  um  das  Heil  des  Ganzen,  Preussens  und  des
deutschen  Reichs  handelte,  mit  einer  eigenen  Ansicht  aufzutreten.
Friedrich  Wilhelm  hatte  sich  durch  die  Lehren,  die  ihm  die
Reichenbacher  Unterhandlungen  gaben,  in  seiner  imposanten
Stellung  inmitten  der  Cabinette  Europa’s  nicht  irre  machen
lassen.  Es  war,  als  ob  ihm  selbst  nach  den  Scheitern  der
Herzberg’schen  Abenteuer  aus  dem  norddeutschen  Tieflande  mit
den  Bollwerken  der  Oder  und  Elbe  die  Kraft  zuströmte,  diese
Ebene  und  ihr  Berlin  zum  Mittelpunkt  zu  machen,  dessen
Strahlen  nach  Paris,  Wien  und  Petersburg  reichten.  Solchem
Stolz  und  Selbstgefühl  gegenüber  konnte  der  Herzog  nur
schweigen;  passiv  folgte  er  dem  König  nach  Valmy,  wo  ihn  der
Anblick  der  Standhaftigkeit  Kellermann’s  aus  dem  Concept
brachte,  und  missmüthig  stand  er  ohne  eigene  Idee  und  Einsicht
seinem  Oberheren  im  Feldzuge  von  1793  zur  Seite.

Er  gehörte  zu  jenen  Zöglingen  l’riedrich's  1I.,  welche  das
Übergewicht  dieses  Fürsten,  besonders  während  der  Verknöcherung
  seines  Mechanismus  in  den  letzten  Jahrzehnten  bis  1786,
gebrochen  hatte.  Friedrich’s  Bruder,  Prinz  lleinrich,  sagte  im
Anfang  des  Jahres  1795  in  einem  Gespräch  zu  Massenbach:
„Der  Herzog,  mein  Neveu,  hat  Talent  und  Genie,  aber  beides
ist  durch  den  Herzog  Ferdinand  und  meinen  Bruder  unterdrückt
worden.  Glauben  Sie  mir,  er  fürchtet  noch  immer  seine  beiden