208  Friedrich  Wilhelm  IL,  König  von  Preussen  und  Danton,

Onkels.  Könnte  er  diese  Furcht  verlieren  und  unumschränkt
handeln,  er  würde  grosse  Dinge  gemacht  haben  und  noch
machen.“

Ausserdem  gehörte  er  zu  den  Unzufriedenen  des  Hofes.
Entgegengesetzt  dein  Prinzen  Heinrich,  der  den  Wechsel  seiner
Hoffnungen  und  Enttäuschungen  offen  zur  Schau  trug,  stand  er
schweigend  und  leidend  bei  Seite,  als  die  Gunst  des  neuen
Fürsten  die  Werkzeuge  seiner  Regierung  berief;  insgemein
aber  klagte  er,  wie  der  Prinz,  darüber,  dass  die  Zukunft  Preussens
Mittelmässigkeiten  anvertraut  würde.  Tief  gedrückt  durch  die
kalte  Höflichkeit,  mit  der  ihn  der  König  abfand  und  bei  Seite
liess,  sah  er  in  dem  Auftauchen  der  Bevorzugten  die  Vorzeichen
einer  verderblichen  Katastrophe  und  sprach  sich  über  diese
trüben  Aussichten  sehr  nachdrücklich  gegen  Mirabeau  aus,  der
ihn  in  der  Mitte  des  October  1786  in  Braunschweig  besucht
hatte.  „Wenn  der  Tag  des  Hauses  Brandenburg,  sagte  er,  gekommen
  sein  wird,  werde  ich  nicht  der  Letzte  sein,  den  Rückzug
anzutreten.  Ich  bin  unabhängig,  dabei  bereit,  das  Werk  Friedrich’s
  II.  mit  meinem  Blute  zu  befestigen,  aber  ich  werde  nicht
durch  meine  blosse  Anwesenheit  Mitschuldiger  an  seiner  Zerstörung
  sein.  Die  Angelegenheiten  meines  Landes  und  meiner
Kinder  werde  ich  in  grosser  Ordnung  zurücklassen;  wegen  der
verwandtschaftlichen  Beziehungen  zu  Hannover  (England)  werden
wir  wahrscheinlich  beim  Zusammensturz  des  deutschen  Reichskörpers
  zuletzt  getroffen  werden.“

Trenck  behauptet  zwar  in  seiner  Gegenschrift  gegen  Mirabeau’s
  „geheime  Geschichte  des  Berliner  Holes,*  der  Herzog  sei
ein  viel  zu  schlauer  Politiker  und  vorsichtiger  Hofmann  gewesen,
  als  dass  er  sich  durch  das  schmeichelnde  Drängen  des
französischen  Spions  zu  einer  Herzensergiessung  dieser  Art  hätte
verleiten  lassen.  Der  feine  Hofmann  war  aber  doch  so  schwach,
einem  ähnlichen  Drängen  seines  Quartiermeisters  Massenbach
nachzugeben.  Gewöhnlich  antwortete  er  auf  die  Mahnung  desselben,
  er  müsse  sich  zum  leil  Preussens  als  Wallenstein  der
Gegenwart  erheben,  mit  einem  zomig  drohenden  Blick  und
kurzen  Verweis,  während  das  tiefe  Erröthen  seines  Gesichts  zu
verrathen  schien,  dass  der  militärische  Gchilfe  seine  geheimsten
Gedanken  getroffen  habe.  Als  aber  während  des  schwerfälligen
Kriegsganges  im  Frühjahr  1793  Massenbach  ihm  zurief:  „Ew.
Durchlaucht  bleibt  nichts  Anderes  übrig,  als  sich  zum  Connetable