2.)  Die  Rheincampagne  von  1793  und  Danton’s  Friedensarbeiten.  209

Preussens  machen  zu  lassen  oder  den  Commandostab  niederzulegen
  und  den  rollenden  Wagen  in  den  Abgrund  rollen  zu
lassen,“  antwortete  er:  „Ja,  der  Untergang  Preussens  ist  unvermeidlich.
  Mein  armes  Braunschweig!  Meine  armen  Unterthanen!*

An  der  Spitze  Derjenigen,  auf  welche  dieser  in  der  Gefahr
zaghafte  oder  verzweifelnde  Feldherr  als  auf  Mittelmässigkeiten
herabsah,  stand  Bischofswerder,  ein  Sachse  von  Geburt,
früher  Kammerherr  des  sächsischen  Prinzen  Karl,  einstens
des  Herzog  von  Kurland,  nach  dem  bayerischen  Erbfolgekrieg
preussischer  Offizier,  Adjutant  des  Prinzen  von  Preussen  und
Freund  des  künftigen  Königs.  Nach  der  'Thronbesteigung  desselben
  sein  thätiger  und  umsichtiger  Beistand,  strebte  er  weder
nach  Titeln  noch  hohen  Posten,  prahlte  nicht  mit  seinem  Credit
und  liess  auch  seinen  Herrn  mit  keiner  Miene  merken,  dass  er
sich  durch  seine  Arbeiten  um  ihn  verdient  zu  machen  oder  mit
seinen  Plänen  und  Anschlägen  auf  ihn  zu  wirken  glaube.  Bei
Tage  war  er  beim  König,  des  Nachts  mit  der  Ausführung  seiner
Aufträge  und  Briefe  beschäftigt.  Die  Apathie  seiner  Gesichtszüge
  unterstützte  ihn  in  der  Aufrechterhaltung  des  Anscheins
seiner  Unbedeutendheit.  In  der  Unterhaltung  nachlässig  und
ohne  Sucht  zu  glänzen,  zeigte  er  gesundes  Urtheil,  lichtvolle
Darstellung  und  ansprechende  Gesichtspunkte,  jedoch  liess  er
auch  im  Geplauder  der  Unterhaltung  nicht  das  Geringste  seiner
Absichten  oder  Geheimnisse  merken,  während  seinem  matten,
aber  durchdringenden  Auge  keine  Miene,  kein  Zeichen  einer
inneren  Gemütlisbewegung  oder  Absicht  des  Andern  entging.
Auch  sein  Äusseres  entsprach  dieser  Doppelnatur;  beleibt  und
scheinbar  schwerfällig,  war  er  in  der  Behandlung  der  Waffe
und  als  Reiter  gewandt  und  Meister,  wie  scin  einförmiger  Ernst
den  Geschmack  für  Vergnügen  und  Lebensgenuss  verschloss.
Weder  Genie,  noch  wissenschaftlich  geübt,  war  er  nicht  der
Gefahr  ausgesetzt,  als  Pedant  oder  als  aufdringlicher  Systemmacher
  zu  erscheinen,  und  konnte  er  mit  seinen  Rathschlägen
den  Eindruck  des  praktischen  Geschäftsmanns  bewirken.

Neben  diesen  Naturgaben  besass  er  aber  noch  einige  besondere
  Schätze,  die  ihm  die  Zuneigung  seines  Gebieters  sicherten.
Er  war  in  die  geheimen  Künste  seiner  Zeit  eingeweiht  und
besass  das  Recept  zum  Wunderelixir,  welches  die  Lebensdauer
verlängert,  ausserdem  hatte  er  in  den  Freimaurerweilen  Aufschlüsse
  über  die  jeuseitige  Geisterwelt  gefunden  und  auch  nach

Bauer,  Rismarck’sche  Ära.  14