2.)  Die  Rheincampagne  von  1793  und  Danton’s  Friedensarbeiten.  215

sich  Sybel  nicht  nur  an  dem  Kriegsfeuer,  welches  durch  den
schwedischen  Allürten  gegen  Russland  an  der  Düna,  Newa
und  Weichsel  sich  entzünden  und  aufprasseln  würde.  Sein
Auge  richtet  sich  noch  weiter  nach  dem  Osten  und  sieht  durch
Semonville,  bei  dessen  Absendung  nach  Constantinopel  Danton
auch  betheiligt  war,  am  Gestade  des  Hellesponts  die  Flamme
der  orientalischen  Frage  gegen  England  aufsteigen.  Mit
derselben  Theilnahme  sieht  er  neben  Semonville  auch  den  für
Neapel  bestimmten  Maret  die  Reise  durch  die  Schweiz  nach
Italien  antreten  und  bewundert  Dantons  Auftrag,  wonach  die
Beiden  die  Kleinstaaten  Italiens  durch  ihre  Bürgschaft  für  die
Erhaltung  des  Lebens  der  Königin  Marie  Antoinette  gewinnen
und  auf  diesem  Umweg  auch  auf  die  Gesinnung  Österreichs
einwirken  sollten.

Und  diese,  nur  mit  der  Herzberg’'schen  Universalaction
vergleichbare  Politik  fällt  eben  so  schnell  und  prosaisch  wie
die  schwedische  Einwirkung  auf  „die  Düna,  Newa  und  Weichsel“
zu  Boden.  Während  Stael  im  Neckerischen  Kreise  auf  Coppet
über  unfruchtbaren  Plänen  gegen  Paris  brütet;  werden  Semonville
und  Maret  Ende  Juli  in  Graubündten  durch  österreichische
Posten  aufgehoben  und  als  Gefangene  nach  Mailand  geschaft.
Ein  Paar  Tage  darauf,  am  1.  August,  muss  die  Königin  aus
dem  Temple  nach  der  Conciergerie  wandern.

Gleichzeitig  prasselte  ein  anderes,  von  Sybel  bewundertes
Feuerwerk  Danton’s  in  die  Luft  auf,  hatte  aber  für  den  Tausendkünstler
  sehr  bedenkliche  Folgen  und  mahnte  seine  Gegner  zum
Einschreiten.  Der  Beherrscher  des  Wohlfahrtsausschusses  und
Leiter  der  ministeriellen  Politik  hatte  Custine,  welcher  die
von  Braunschweig  zur  Deckung  der  Belagerung  von  Mainz  befehligte
  Postenkette  durchbrechen  sollte,  vielmehr  beauftragt,
sich  mit  dem  Herzog  in  Briefwechsel  zu  setzen  und  für  einen
Friedensschluss  zu  wirken.  Der  General  der  Republik  musste
sich  bei  seinem  Gegner  als  Feind  der  Jakobiner  enthüllen  und
ihm  als  Mittel  zur  Herbeiführung  des  Friedens  die  Säcularisation
der  drei  geistlichen  Churstaaten  des  Rheins  in  Vorschlag  bringen.
Diese  Idee  war  schon,  als  Mirabeau  Berlin  studirte,  daselbst
das  Tagesgespräch  der  Politiker;  als  Friedrich  IL,  Frankreich
und  der  bayrische  Gegenkaiser  eine  Umgestaltung  des  deutschen
Reichs  gegen  Maria  "Theresia  beriethen,  war  schon  der  Plan
einer  Vergrösserung  Preussens  und  Bayerns  auf  Kosten  jener