216  Friedrich  Wilhelm  IL,  König  von  Preussen  und  Danton.

geistlichen  Staaten  gleichfalls  zur  Sprache  gekommen;  jetzt
verlangte  Frankreich  auch  seinen  Theil.  Die  Kriegführung
Custine’s  war  unter  diesen  Umständen  ein  militärisches  Unding
wie  Braunschweigs  Einzug  in  die  Champagne.  Der  Herzog
glaubte,  er  brauche  nicht  zu  schiessen,  Custine  wollte  nicht
schlagen  und  zog  es  vor,  sich  selbst  von  der  Minderzahl  in  die
Flucht  schlagen  zu  lassen.  Während  eines  dieser  Scheingefechte
mit  den  Vortruppen  Braunschweigs  tafelten  die  französischen
Generale  von  Mainz  in  dem  Zelte  des  Prinzen  Louis  Ferdinand
und  besprach  sich  mit  diesem  Danton’s  Freund,  der  Conventscommissär
  Merlin  von  Thionville,  über  die  Räumung  der  Festung.
Das  preussische  Gold  öffnete  endlich  am  22.  Juli  die  Thore,  ehe
die  zweite  Parallele  eröffnet  war.  An  demselben  Tage  ward
Custine,  den  man  nach  Paris  berufen  hatte,  verhaftet;  zwölf
Tage  vorher  war  bei  der  Neuwahl  des  Wohlfahrtsausschusses
Robespierre  eingetreten,  Danton  unbeachtet  geblieben  und  die
Zahl  der  Dantonistischen  Mitglieder  von  neun  auf  zwei  zusammengeschwunden.


Die  Folgen  dieser  Umwendung,  welche  einen  neuen  Geist
in  die  Truppen  und  neue  Kräfte  an  ihre  Spitze  brachte,  erfuhr
Braunschweig  am  14.  September  1793  bei  Pirmasens.  Er  hatte
in  richtiger  Berechnung  des  nun  mächtig  aufstrebenden  Geistes
der  feindlichen  Generale  befürchtet,  dass  Morcau  in  seinem
Rücken  auf  ihn  losgehen  würde,  und  danach,  trotz  des  Unglaubens
Massenbachs,  seine  Maassregeln  getroffen.  Das  Unternehmen  des
Neulings  war  kühn  und  gross,  weil  im  Fall  des  Gelingens  die
Armee  des  Herzogs  nicht  nur  vom  Elsass  und  den  Österreichern
abgeschnitten,  sondern  auch  vernichtet  wurde.  Nur  die  Überlegenheit
  der  preussischen  Taktik  rettete  die  Armee.

Die  Oberleitung  Hoche's  führte  die  Krisis  im  Elsass  herbei
und  befeuerte  die  noch  ungeübten  Truppen  zu  einem  zwölftägigen
  Ringen,  in  welchem  sie,  von  Hauptpunkten  wie  Froschweiler,
  Reichshofen,  Wörth  zurückgeschlagen,  immer  wieder
vorbrachen  und  den  wechselnden  Kampf  um  Weissenburg  und
den  Geisberg  am  26.  December  entschieden.

Damit  war  auch  die  Rheincampagne  des  Jahres  1793  entschieden
  und  das  Gericht  über  Danton  möglich  geworden,  welches
uns  seinen  Hof  und  seine  Leute,  wie  die  Überlebenden,  die
Männer  des  Baseler  Friedens  vorführen  wird.