3.)  Der  Baseler  Frieden  und  Danton’s  Geist.  219

konnten  die  innere  Ruhe  wieder  herstellen  und  auch  sie  nur
unter  der  Bedingung,  dass  sie  die  revolutionäre  Kraft  des  Landes
gegen  Europa  ins  Feld  führten.

Danton  hat  nicht  nur  seine  Zeitgenossen  und  die  späteren
Historiker  irre  geführt,  sondern  war  auch  für  eine  ganze  Reihe
deutscher  Dramatiker  verhängnissvoll.  Der  Gegensatz  seines
Verlangens  nach  dem  Genuss  und  seiner  übermüthigen  Auffassung
  des  Lebens  zu  der  strengen  Haltung  Robespierre’s,  —
sein  verwegenes  Herumsteuern  auf  dem  Gebiet  der  auswärtigen
Politik,  die  seinen  demokratischen  Gegnern  nur  als  Mittel  zur
Anspannung  der  einheimischen  Volkskräfte  diente,  —  endlich
sein  Sturz  durch  die  terroristische  Demokratie  schienen  ihn  zum
rechten  Helden  einer  Tragödie  zu  machen.  Allein  in  der
Frende  über  diesen  Fund  hat  man  übersehen,  dass  die  innere
Spannung  und  Einheit  der  Tragödie  den  Zusammenhang  der
That  und  Leistung  des  Heros  mit  seiner  Schuld  und  endlichen
Vernichtung  fordert.

Wir  können  uns  sehr  wohl  vorstellen,  dass  ein  Nero  oder
Tiberius,  nicht  wie  diese  Cäsaren  in  neueren  rhetorischen
Spectakelstücken  oder  in  den  Fabeln  des  Tacitus  erscheinen,
mit  der  Überspanntheit  ihrer  Gottmenschheit  und  mit  ihrem
endlichen  Zusammenbruch  wohl  auf  die  tragische  Bühne  gebracht
werden  können.  Ihre  Gottmenschheit  ist  ihre  That  und  Leistung,
aber  als  ausschliesslicher  Genuss  und  eifersüchtig  bewachte
Eigenheit  ein  Raub  an  der  Menschheit,  welche  sie  durch  den
Sturz  der  alten  politischen  Mächte  und  Gottheiten  aus  der
früheren  Leibeigenschaft  gezogen  haben.  Bei  Danton  fehlt  dieser
Zusammenhang  zwischen  That  und  Schuld.  Dass  er  die  Revolution,
  an  der  er-  unschuldig  ist,  zur  Übung  seiner  Kraftfülle
benutzte  oder  als  Geliebte  seiner  Laune  behandelte,  auch  misshandelte
  und  zuletzt  von  einem  nüchternen  Dogmatiker  unschädlich
  gemacht  ward,  ist  kein  tragischer  Stoff.  Die  Täuschung,
die  er  zuletzt  erfährt,  als  man  entdeckte,  dass  er  dem  Imperialismus,
  dem  schliesslichen  Sieger  auf  dem  Leichenhaufen  der
alten  Grundsätze,  den  Schatten  des  Bourbonischen  Königthums
als  Schutzgeist  für  die  Stillung  seiner  persönlichen  Gelüste
unterschieben  wollte,  beweist  nur,  dass  er  sich  einem  falschen
Caleul  überlassen  hatte.  Ein  blosser  Rechenfehler  ist  aber  keiner
tragischen  Aufputzung  fähig.  Vielleicht  könnte  der  Schrecken,
der  ihn  zuletzt  zermalmte,  den  Zuschauer  ergreifen,  weil  der