228  Friedrich  Wilhelm  IT,  Köwig  vou  Preussen  und  Danton.

Widersacher  der  Fridericianischen  Pläne  war,  überhaupt  aber
das  Unternehmen  gegen  Frankreich  von  vornherein  nicht  gebilligt
  hatte.

An  der  Weichsel  war  indessen  schon  der  Krieg  entbrannt,
als  man  am  Rlıein  an  die  Eröffnung  des  Feldzugs  zu  denken
hatte.  Am  24.  März  hatte  Kosciusko  die  Fahne  des  Aufstandes
erhoben  und  am  4.  April  einen  Sieg  über  die  Russen  davongetragen;
  am  18.  April  zwang  der  Strassenkampf  in  Warschau
die  Russen,  die  Stadt  zu  verlassen.  Diese  Tage  waren  für  die
Convention,  welche  die  Seemächte  mit  Preussen  am  19.  April  im
Haag  abschlossen,  sehr  unglücklich  gewählt;  Preussen  sollte,
während  die  Begebenheiten  an  der  Weichsel  seine  militärischen
Kräfte  in  Anspruch  nahmen,  zur  Unterstützung  der  Österreicher
in  Belgien  den  Seemächten  62,000  Mann  unter  seiner  eigenen
Führung  stellen  und  gestand  den  Seemächten  die  Verwendung  zu,
wo  es  ihren  Interessen  am  vortheilhaftesten  scheinen  würde.

In  der  That  erhielt  die  Armee  Befehl,  ihre  Cantonnirungen
am  Mittelrhein  zu  verlassen,  und  sich  nach  der  Sambre  in  Bewegung
  zu  setzen.  Massenbach  ward  beauftragt,  Alles,  was  zum
Einpfang  der  Armee  bei  Cöln  vorbereitet  werden  musste,  in  Angriff
  zu  nehmen.  Die  Vortruppen  waren  bereits  in  Cöln  angekommen
  und  die  Mund-  und  Kriegsvorräthe  schwammen  den  Rhein
hinunter.  Plötzlich  aber  ward  der  Marsch  eingestellt  und  die
Armee  zieht  sich  in  ihre  Stellung  am  Mittelrhein  zurück.

Die  beiden  Kriege  in  Westen  und  in  Polen,  wo  Friedrich
Wilhehn  selbst  sich  den  Aufständischen  ohne  Erfolg  entgegenwaif,
standen  einander  im  Wege.  Eine  ernste  Mitwirkung  mit  Österreich,
  sei  es  in  Belgien,  sei  es  mit  dessen  Schaaren  am  Oberrhein,
musste  zu  grossen  Schlachten  führen,  die  auch  im  Fall  einzelner
Siege  die  Armee  schwächten  und  ihre  Bedeutung  für  einen  etwaigen
Oderkrieg  un  die  polnische  Beute  verminderten.  Absonderung
von  Österreich  stellte  dagegen  die  Auflösung  der  Coalition,  die
Übermacht  Frankreichs  und  die  Rache  der  Kaiserin  Katharina
in  Aussicht.  Nach  beiden  Seiten  hin  von  Gefahr  umringt,  zog
man  die  Unthätigkeit  am  Mittelrhein  als  sichersten  Ausweg  vor,
da  man  sich  dadurch  wenigstens  eine  Reserve  für  polnische  Verwickelungen
  erhielt.

So  steckte  die  Armee  das  Schwert  auch  dann  wieder  in  die
Scheide,  als  sie  Ende  des  Mai  sich  des  HHardtgebirges,  der  Deckung
gegen  den  Elsass  und  Lothringen,  von  Neuem  bemächtigt  hatte.