3.)  Der  Baseler  Frieden  und  Danton’s  Geist,  229

Sie  blieb  in  ihrer  Unthätigkeit,  als.am  20.  Juni  die  Bevollmächtigten
  der  Seemächte  wie  Dei  ex  machina  zu  Kirchheim-Bolanden
erschienen  und  mit  Nichtauszahlung  der  im  Haager  Vertrag  festgesetzten
  Subsidien  drohten.  Die  Friedensruhe  der  Cantonnements,
in  denen  sich  die  Truppen  in  aller  Bequemlichkeit  an  den  Gaben
einer  fruchtbaren  Gegend  labten,  wurde  endlich  durch  die  feindliche
  Rhein-  und  Moselarmee  gestört.  Überall  sahen  sich  die
Truppen  in  ihren  weitläufigen  Stellungen  angegriffen  und  überwältigt
  und  sie  mussten  das  Hardtgebirge  räumen.  Man  erlitt
namhafte  Verluste,  verlor  zum  erstenmale  in  diesem  Kriege  schweres
Geschütz  und  die  preussische  Taktik,  die  im  vorhergehenden  Jahr
bei  Kaiserslautern  und  Pirmasens  gesiegt  hatte,  sah  sich  vom  Feind
überholt.

Wiederum  hatte  man  sich,  da  der  Feind  die  Verfolgung  seiner
Vortheile  noch  nicht  für  nothwendig  hielt,  in  die  Friedensstille
und  in  die"  Überzeugung  eingelebt,  dass  dieser  Krieg  für  Preussens
Interesse  schädlich  sei,  als  der  Erbprinz  von  Hohenlohe  am
20.  September  durch  seinen  plötzlichen  Schlag  bei  Kaiserslautern
für  die  unglücklichen  Tage  des  Juli  Rache  nahm.  Aber  im  Hauptquartier
  wollte  man  von  einer  Benutzung  des  Siegs  nichts  wissen;
der  Prinz  ward  von  Möllendorf  finster  angesehen,  besonders  scheel
blickte  Rüchel  und  der  Prinz  erhielt  den  Befehl,  sein  Corps  nach
Polen  zu  führen.  Im  November  zog  die  Armee  über  den  Rhein
zurück;  die  Führer  hatten  die  Campagne  schon  vollständig  aufgegeben;
  die  militärischen  Gelehrten  leben,  nach  Massenbach’s
Schilderung,  missmuthig  in  den  Tag  hinein;  der  Eine  seufst,  der
Andre  klagt;  Phull,  der  im  vorigen  Jahr  Manstein  inspirirt  hatte,
führt  in  ein  Paar  Denkschriften  aus,  dass  man  Nichts  thun  dürfe,
verlangt  den  Frieden,  er  falle  aus,  wie  er  wolle,  und  meint  in
Privatgesprächen,  „er  werde  sich  um  Nichts  mehr  bekümmern;  der
T.....  werde  doch  Alles  holen.“

Seit  dem  August  hatten  sich  der  Armee  die  belgischen  Erfolge
  der  republikanischen  Truppen  in  nächster  Nähe  fühlbar  gemacht.
  Die  Franzosen  vertrieben  die  Österreicher  aus  Trier,
setzten  sich  an  der  Saar  und  Mosel  fest  und  bemächtigten  sich
der  Strasse  auf  Luxemburg.  Im  December  merkte  man,  dass  die
holländische  Unternehmung  Pichegru’s  auch  die  westphälischen
Lande  Friedrich  Wilhelm’s  bedrohe.

Mit  dem  Schatz  Friedrich’s  II.  war  es  indessen  auf  die  Neige
gegangen.  Im  März  1795  waren  die  Kassen  so  erschöpft,  dass