236  Das  Donaureich  in  der  neuen  Ära,

rühmen,  dass  Österreich  allein  im  Stande  sei,  von  Ungam  aus
mit  Erfolg  dem  Gegner  der  Türkei  Halt  zu  gebieten,  —  ein
unfruchtbarer  Ruhm,  da  Frankreichs  stille  Hoffnung  auf  eine
russische  Allianz  und  Wellington’s  conservativ-russische  Versimpelung,
  die  Wiener  Kanzlei  lähmten  und  wiederum  von  Berlin
aus  der  grauende  Morgen  des  Tages  von  Königgrätz  sich  röthete.
Der  preussische  ausserordentliche  Sendbote,  General  Müffling,
eilte  der  in  Adrianopei  bedrängten  und  der  äussersten  Gefahr
ausgesetzten  russischen  Armee  zur  Hilfe  herbei,  schreckte  den
Divan  und  zwang  ihn  zu  einem  Friedensschluss,  welcher  Russland
  mit  der  Herrschaft  über  die  Donaumündungen  ausstattete
und  der  russischen  Macht  den  Schlüssel  zu  dieser  Lebensader
des  österreichischen  Donaureiches  in  die  Hände  gab.

Der  Sohn  des  soeben  erwähnten  Buol  Schauenstein  wollte
zwar  den  Schaden  des  Jahres  1829  heilen  und  das  Einschreiten
der  Westmächte  gegen  Russland  im  Krimkrieg  für  die  Wahrung
der  deutschen  Interessen  an  der  Unterdonau  benutzen,  aber  Norddeutschland
  wollte  sich  von  dem  Losungswort  der  österreichischen
Presse  von  dem  deutschen  Charakter  und  der  Freiheit  des  Donaustromes
  nicht  erwärmen  lassen  und  Preussen  fühlte  in  sich  selbst
keine  Aufforderung  dazu,  beim  deutschen  Bnndestag  den  Antrag
Österreichs  auf  Mobilmachung  zu  unterstützen.  Gebrochen  und
durch  sein  Schwanken  zwischen  Vermittelung,  Allianz  mit  dem
Westen  und  kriegerischen  Drohungen  gegen  Russland  mit  beiden
Seiten  verfeindet,  ging  Österreich  aus  dem  Krimkrieg  hervor  und
hauptsächlich  englischen  und  französischen  Anregungen  waren  die
Anordnungen  zur  Freiheit  der  Donauschifffahrt,  die  Entfernung
russischer  Besatzung  von  der  Schlangeninsel  an  der  Sulinamündung
  und  die  Berichtigung  der  hessarabischen  Grenze  zu  verdanken.


Die  Katastrophe  des  Tages  von  Königgrätz  hatte  sich  für
die  untere  Donau  nur  seit  den  Verhandlungen  zu  Reichenbach
(1790)  angekündigt,  das  Vorspiel  zu  derselben  füllte  dagegen  die
ganze  Regierungszeit  von  Friedrich  Wilhelm’s  II.  Vorgänger  aus
und  war  öfters  auf  blutigen  Schlachtfeldern  zur  Ausführung  gekommen.


Es  galt  der  vollständigen  Herstellung  des  Donaureichs  im
Westen,  an  der  obern  Donau,  der  Einverleibung  Baierns
und  dem  Eintausch  desselben  gegen  die  Niederlande.

Prinz  Eugen,  der  Held  der  untern  Donau,  wollte  auch  an  dem