Das  Donaureich  in  der  neuen  Ära.  237

Oberlaufe  dieses  Stromes  der  Vollender  des  Kaiserstaates  werden
und  verhandelte  über  jenen  Austausch  am  Schluss  des  spanischen
Erbfolgekrieges.  Der  hochstrebende  Max  Emanuel,  Kurfürst  von
Baiern,  hatte  die  Idee  selbst  zuerst  angeregt.  Durch  den  Madrider
Vertrag  vom  Jahre  1700  in  den  Besitz  der  spanischen  Niederlande
  gelangt,  von  Ludwig  XIV.  als  souveräner  Herr  derselben
anerkannt,  durch  den  Sieg  der  Alliirten  bei  Hochstädt  seines
väterlichen  Erbes  beraubt,  als  Verbündeter  Frankreichs  1706  in
die  Reichsacht  erklärt,  endlich  1709  durch  die  Nachricht  erschreckt,
  dass  sich  Ludwig  zu  Fried  terhandlungen  gezwungen
sehe,  fand  ersowohl  Marlborough,  an  den  er  sich  zuerst  wandte,
als  die  kaiserlichen  Minister  zu  jenem  Austausch  geneigt  und
nur  der  Dritte  im  Bunde  vereitelte  zunächst  die  Ausführung,  da
die  Generalstaaten  keinen  minder  mächtigen  Herm  zum  Nachbar
und  Grenzwäclter  gegen  Frankreich  an  Spaniens  Stelle  eintreten
schen  wollten.  Als  aber  Prinz  Eugen  die  Idee  auf  den  Friedensunterhandlungen
  zu  Rastadt  (1714)  durchzusetzen  suchte,  war
Frankreich  wieder  zu  mächtig  geworden  und  Ludwig  in  der
Festigkeit,  mit  der  er  auf  der  Wiedereinsetzung  in  das  Kurfürstenthum
  bestand,  nicht  zu  erschüttern.  Alles,  was  er
erreichte  und  Marschall  Villars,  der  französische  Unterhändler,
zugestand,  war  die  Erklärung  des  18.  Rastadter  Artikels  und
desselben  Wiederholung  im  Badener  Friedensinstrument,  dass
Frankreich  einem  Umtausch  der  bayerischen  Länder,  falls  das
Kurhaus  einen  solchen  für  gut  fände,  sich  nicht  widersetzen
wolle.

Ehe  drei  Jahrzelinte  vergingen,  hatte  sich  Friedrich  I.  in
Schlesien,  also  einem  Theil  der  deutschen  Lande  des  Kaiserhauses,
  so  festgesetzt  und  mit  den  strategischen  Punkten  Böhmens
und  Mährens  so  vertraut  gemacht,  dass  er  auch  den  obern
Lauf  der  Donau  in  seine  politischen  Berechnungen  ziehen
konnte.  Zunächst  betheiligte  er  sich  zwar  nur  an  der  Wahl
Albrechts  von  Bayern  zum  Gegenkaiser,  ohne  unmittelbar  an
dem  Plan  der  Verbündeten  desselben  mitzuwirken,  wonach
Bayern  mit  dem  grössten  Theil  des  deutschen  Habsburgischen
Hausbesitzes  ausgestattet  und  zu  einer  grossen  Donaumacht
erhoben,  Österreich  dagegen  hauptsächlich  auf  Ungam  beschränkt
werden  sollte.  Als  aber  die  Heere  Maria  Theresia's  das  Kurfürstenthum
  einnahmen  und  siegreich  bis  zum  Rhein  vordrangen,
griff  er  zum  zweiten  Mal  zu  den  Waffen  und  rettete  das  alte