238  Das  Donaureich  in  der  neuen  Ära.

Bayern.  Gegen  das  Ende  seiner  Regierung  (1778  u.  79)  sprang
er  wieder  auf  und  zog  in  den  Krieg,  als  Österreich  durch  die
Übereinkunft  vom  9.  Januar  1778  mit  dem  Kurfürsten  Karl
‘Theodor  von  diesem  kinderlosen  Fürsten  Niederbayern  und  die
Oberpfalz  mit  dein  Vorbehalt  noch  weiterer  Erwerbungen  für
den  Fall  seines  Todes  zugesichert  erhalten  hatte,  und  versperrte
Österreich  dieses  Aufsteigen  an  der  oberen  Donau.  Dem
russischen  Projekt,  wonach  derselbe  Karl  Theodor  im  Januar
1785  zur  Übergabe  Bayerns  an  Österreich  gegen  dessen  Niederlande
  seine  Einwilligung  gab,  setzte  er  den  Fürstenbund  entgegen
  und  gewann  für  sich  die  Präsidentschaft  über  norddeutsche
  Fürsten,  die  seit  deu  schlesischen  Kriegen  dem  Kaiserhause
  allmälig  entfremdet  waren.

So  hatte  die  Sonne,  welche  das  Gewitter  vom  3.  Juli  1866
zusammenzog,  ehe  sie  zu  ihrer  Gluth  aufstieg,  mit  ihren  Feuerstreifen
  am  äussersten  Horizont  Österreich  erschreckt  und  ihm
an  der  untern  Donau  durch  Reichenbach  und  Müffling  Stillstand
geboten,  das  deutsche  Donauland  und  Bayern  aber  versperrt.

Herzberg  und  sein  College  Finckenstein  hatten  in  ihrem
Bericht  an  Friedrich  (vom  14.  Januar  1785)  auseinandergesetzt,
dass  die  Vereinigung  Bayerns  mit  Österreich  diese  Monarchie
„bald  in  den  Stand  setzen  würde,  Elsass  und  Lothringen
mit  ihren  schwäbischen  Besitzungen  zu  vereinigen  und  dann
ganz  Deutschland  zu  unterwerfen.“  Was  preussische  Diplomatie
und  preussische  \affen  Österreich  verwehrt  hatten,  beschloss
endlich  Bismarck  auszuführen.  In  dem  fünfzigjährigen  Frieden,
weleher  dem  Sturz  Napoleon’s  folgte,  schien  ihın  durch  die
constitutionellen  Bewegungen  der  deutschen  Kleinstaaten,  durch
populäre  Erschütterungen  und  durch  die  Ermüdung  der  meisten
Fürstenhäuser  die  österreichische  Präsidentschaft  am  Bundestage
so  zermürbt  zu  sein,  dass  es  nur  noch  eines  ernstlichen  Stosses
bedurfte,  um  ihr  ein  Ende  zu  machen.  lbenso  einfach  und
kunstvoll,  wie  Cäsar,  ehe  er  den  Rubicon  übeıschritt,  den
Senat,  den  Vertreter  der  Legitimität  und  der  conservativen
Interessen,  sammt  dessen  Oberfeldherın  Pompejus  in  eine  revolutionäre
  Stimmung  und  Position  zu  setzen  verstanden  hatte,
wusste  er  den  Bundestag  zu  dem  Beschluss  der  Bundesversammlung
vom  14.  Juni  1866  und  zur  Kriegserklärung  gegen  Preussen  zu
treiben  und  die  Bundesversammlung  in  das  Unrecht  zu  setzen.