Das  Donnursich  in  der  neuen  Ära.  239

Vier  Jahre  darauf  stand  Bayern  zum  Krieg  gegen  Frankreich  an
der  Seite  Preussens.

Sehen  wir  nun  zu,  wie  sich  Österreich  in  dem  Unterkommen
zurecht  fand,  welches  ihm  Bismarck  mit  seiner  Lösung  der  Donauund
  der  bayerischen  Frage  angewiesen  hatte.  Wenn  es  sich  bei
dieser  Angelegenheit  darum  handelt,  ob  die  Magyaren  soviel
Stätigkeit  gewonnen  haben,  dass  sie  den  Schwerpunkt  der
österreichischen  Monarchie  bilden  können,  mögen  es  uns  diese
Auserwählten  Bismarck’s  nicht  verargen,  dass  wir  uns  zur
Charakteristik  des  modernen  Ungam  an  die  Pläne  und  Entwürfe
Kossuth’s  halten.  Sie  haben  es  selbst  bis  auf  den  gegenwärtigen
Augenblick  ausgesprochen,  dass  dieser  Mann  mit  seinem  wiederholten
  Abspringen  von  einem  leidenschaftlich  vertheidigten  Rechtsboden
  zu  abenteuerlichen  Entwürfen  und  Gewaltmitteln  der
energischste  Ausdruck  und  Typus  seiner  Nation  ist.

Der  Kampf  des  Jahres  1849  endigte  mit  eineın  doppelten
Verrath,  in  ‘welchem  Görgey  und  Kossuth  um  die  Palme  des
Erfolges  stritten.  Als  der  politische  Gouverneur  merkte,  dass
der  Oberfeldherr  die  Armee  absichtlich  moralisch  schwächte  und
militärisch  verzettelte,  um  sie  den  Russen  auszuliefern,  nalım  er
die  Friedensunterhandlungen  selbst  in  die  Hände,  schickte  am
1.  August  die  Minister  Szemere  wıd  Batthyanyi  unmittelbar
ins  russische  Hauptquartier  und  bot  dem  Zaren,  dessen  Vorfahr
in  den  Pariser  und  Wiener  Friedensschlüssen  sich  ja  auch  als
Hort  der  constitutionellen  Volksrechte  bewährt  habe,  Ungarn
als  eine  russische  Secundogenitur  an.  Sein  Rival  Görgey  überflügelte
  ihn  aber  am  13.  August  durch  die  Waffenstreckung
von  Vilagos  und  machte  Fried  handl  gegenstandslos.

Als  die  Anzeichen  des  nahenden  fı  l
Kriegs  sichtbar  wurden,  liess  der  flüchtige  Ungar  im  Februar
1859  durch  seine  Kriegsgenossen  Klapka  und  Teleki  sich  beim
Prinzen  Napoleon  im  Palais  Royal  anmelden,  er  selbst  kam  im
Mai  zum  Cäsar  der  Tuilerien  und  bot  für  die  Absendung  eines
französischen  Armeeeorps  nach  Ungam  dem  Sohn  Jerome  Napoleon’s
  die  Krone  dieses  Landes  an.  Gesuch  und  Anerbieten
begegneten  aber  einer  gleich  ungünstigen  Aufnahme;  Letzteres
fand  der  Prinz  so  familiär,  als  wolle  der  Kronenwächter  ihm
eine  Prise  Tabak  anbieten;  der  Cäsar  wollte  sich  durch  den
Import  eines  französischen  Armeecorps  unter  der  Geleitschaft