Das  Donaureich  in  der  neuen  Ära.  24

auf  dem  der  österreichische  Adler  in  Flammen  aufgeht,  so  würde
es  zuletzt  in  sich  selbst  verglimmen.

Indessen  dachten  die  Magyaren  an  Nichts  weniger  als  mit
dem  österreichischen  Adler  einstens  in  Asche  zu  verglimmen;
ihr  Plan  ging  weiter  und  tiefer;  sie  wollten  diesen  Adler  selbst
verzehren.  Sie,  die  östliche  Hälfte  der  Bismarck’schen  Schöpfung,
hielten  sich  als  Schwerpunkt  der  Gesanmtmonarchie  Österreich-Ungarn
  für  berufen,  die  westliche  Hälfte,  Cisleithanien,  allmälig
zu  umspamnen  und  endlich  zu  beherrschen.

Aber  sie  schwiegen  und  liessen  den  Redner  der  Jahre  1848
und  49  sprechen,  Anreden  und  Programme  an  seine  Nation
richten,  höchstens  sahen  sie  in  dieser  Beihilfe  und  in  dem
Wechsel  der  Kossuth’schen  Pläne  ein  willkommenes  Mittel,
welches  die  oberen  Kreise  verwirrte  und  die  Aufmerksamkeit
von  ihrer  langsamen  Arbeit  .ablenkte.

Während  sie  im  Stillen  operirten,  hörte  in  der  diesseitigen
Reichshälfte  der  Lärm  über  ähnliche  Hegemonie-Pläne  nicht
auf  und  beschäftigte  sogar  die  Regierungen  und  die  Presse  des
Auslandes.  Dort  arbeiteten  die  Slawen  ander  Schwächung  und
Niederwerfung  der  Deutschen.  Obenan  standen  in  dieser
Schlachtreihe  die  Czechen  Böhmens.  Sofort  nach  dem  Ausgleich
  des  Jahres  1867  orhoben  dieselben  nach  dem  Vorbilde
der  Magyaren  den  Anspruch  auf  nationale  Selbständigkeit,
Autonomie  und  auf  einen  eigenen  Ausgleich  mit  der  Wiener
Centralregierung.  Stillschweigend,  wie  im  Verfolg  aller  ihrer
Operationen  seit  1367,  genossen  aber  die  Ungarn  den  doppelten
Triumph,  dass  ihre  Concurrenten  und  Mitarbeiter  sich  in  ihren
Ansätzen  und  Versuchen  ermüdeten  und  doch  zugleich  den  gemeinsamen
  Feind,  die  Deutschen,  in  die  Enge  trieben.

Über  Versuche,  misslungene  Versuche,  sind  die  Czeehen  im
ganzen  Verlauf  ihrer  Geschichte  nicht  hinausgekommen.  Ihr
König  Ottokar  und  dessen  Idee  eines  grossezechischen  Mittelreichs
  erlagen  der  Centralmacht  Wiens  auf  dem  Marchfelde.
Der  Hussitenkrieg  war  ein  Versuch,  der  von  der  sächsischen
Reformation  überholt  wurde;  seit  der  Niederlage  ihres  Winterkönigs
  am  weissen  Berge  (im  Anfang  des  dreissigjährigen  Kriegs)
gaben  die  Czechen  den  Traum  einer  nationalen  Selbständigkeit
auf,  die  Magyaren  dagegen  verstanden  ces  gerade  seit  dieser  Zeit,
durch  fortgesetzte  Anstrengungen  die  Wiener  Regierung  zu
Ausgleichen  für  die  Anerkennung  des  Protestantismus  und  der
Bauer,  Bismarck’scho  Ära.  16