264  Die  Lyrik  der  Nationalzeitung.

Hölty’s  Jammertöne  durchzogen  ihre  Leitartikel.  Zwar  vermischt
mit  Drohungen,  wie  sie  z.  B.  im  ÖOsterartikel  den  verwegenen
Olympier,  der  „nicht  zufrieden  damit,  die  Loose  zu  schütteln,
in  die  Reihe  der  Kämpfenden  eintritt,“  mit  der  Aussicht
schrecken  will,  dass  der  Exstirpation  des  nationalen  Gehirns
„die  Aushöhlung  des  staatlichen  Gedankens"  folgen  müsse.  Im
Himmelfahrts-Artikel  (vom  22.  Mai  1879),  wo  Alles  in  der
Politik  „grau  und  aschenfarbig  ist,"  bleibt  selbst  Männern,  „die  im
politischen  Kampf  erstarkt  sind,“  nur  der  tröstende  Gedanke
übrig,  dass  sie  ihre  Hände  in  Unschuld  waschen  können  und
nur  „Fürst  Bismarck  allein  mit  dem  gemeinsamen  Ziel  gebrochen
hat.“  Die  Abendnummer  von  dem  .24.,  wo  mit  Sicherheit  die
Erhebung  eines  Centrums-Mitglieds  auf  den  erledigten  Stuhl
des  Vicepräsidenten  zu  erwarten  war,  gibt  den  Abgeordneten  zu
bedenken,  dass  „die  Herabnahme  der  nationalliberalen
Fahne  von  ihrem  geheiligten  Posten  des  Reichstags  alle  europäischen
  Nationen  mit  ernsten  Betrachtungen  erfüllen  werde;
trotz  aller  Proben,  welche  das  Blatt  von  der  Kraft  seiner
Illusionen  gegeben  hat,  ist  es  kaum  noch  anzunehmen,  dass  es
noch  an  einen  Erfolg  dieser  Drohung  glaubte.

Die  Klagen  Lasker's  in  seiner  Rede  vom  9.  Juli  187%  sind
aus  dem  Schmerzbeutel  der  National-Zeitung  genommen;  neu
sind  höchstens  die  Wallungen  der  Eifersucht,  welche  die  „Anschmiedung“
  des  Centrums  gesteigert  hat,  und  die  kühne  Schilderung
  des  Hausherrn  als  eine  Art  von  parlamentarischem  Zugyogel
  und  Schmetterling.

Das  Lied  ist  alt,  —  alt  aber  auch  die  ganze  Geschichte
und  der  Schmerz,  welchen  die  Partei  unter  der  drückenden  Wucht
des  Meisters  empfindet.

Der  Schrecken  jener  Scene,  als  er  am  29.  März  1867  in
der  Positur  des  Shakespear'schen  Percy  den  Ruf  nach  Redefreiheit
  der  Abgeordneten  mit  der  Vorlesung  jenes  Kammerherrn
über  Schusswunden  vor  dem  kampfesmüden  Ritter  verglich,  liegt
ihnen  noch  in  den  Gliedem.

Noch  lebt  in  ihnen  der  Eindruck  des  Invaliden  von
Königgrätz,  den  er  ihnen  am  11.  März  1867  anführte  und
fragte,  ob  es  ihn  für  den  Verlust  seiner  Glieder  trösten  würde,
wenn  er  erführe,  dass  die  Herren  Deputirten  das  Budgetrecht  des
preussischen  Landtags  gerettet  hätten.

Seit  dem  März  des  Jahres  1867  stehen  diese  Erscheinungen