Die  Lyrik  der  Nationalzeitung.  265

wie  aus  Erz  gegossen  da  und  versteinern  noch  jetzt  die  Parlamente.
  -  Keinem  der  Männer,  die  seither  ihr  Herz  in  Dithyramben
und  Blegieen  erleichtert  haben,  fiel  es  in  jenen  Schreckenstagen
des  constituirenden  Reichstags  von  1867  ein,  die  Frage  zu  erörtern,
  ob  es  überhaupt  ein  Königgrätz  sammt  jenem  Invaliden
hätte  geben  können,  wenn  nicht  Bennigsen  und  seine  anderweitigen
  Genossen  in  den  Mittel-  nnd  Kleinstaaten  das  Werk
der  „Untergrabung‘“  getrieben,  im  Nationalverein  die  Arbeit  der
Gothaer  fortgesetzt  und  die  Auseinandersetzung  eines  von  Preussen
geeinigten  Deutschlands  mit  Österreich  zur  Tagesfrage  erhoben
hätten.  Wäre  Bennigsen  nicht  1860  als  gefeierter  Orator  des
Nationalvereins  in  Berlin  eingezogen,  so  würde  er  nicht  auf  dem
norddeutschen  Reichstage  von  1867  seine  Triumphe  geerntet  haben.
Ohne  den  Sturm  der  süddeutschen  Kammern  auf  den  Bundestag,
olne  den  Schwur  zur  deutschen  Fahne  auf  dem  Hambacher
Schlossberg  am  27.  Mai  1832,  ohne  die  Überraschung  der  Frankfurter
  Stadtwache  am  3.  April  1833  hätte  der  Bundestag  noch
lange  in  Frankfurt  wirken  können.  Die  „Signalschüsse“  der
dreissiger  Jahre  leiteten  den  Donner  von  Königgrätz  ein.

Deutsche  Forschung  und  Wissenschaft  ist  zwar  mit  den  Vertreteın
  des  neuen  Deutschlands  in  keine  nahe  Berührung  gekommen,
  das  Reich,  für  welches  sie  arbeiteten,  hat  weitere
Grenzen  als  die  Völker,  die  bei  Königgrätz  fochten,  aber  olıne
ihre  Erweiterung  des  allgemeinen  Seelen-Horizonts  wäre  selbst
dieser  engere  Kampf  nicht  möglich  gewesen.

Bennigsen  war  zu  bescheiden,  alser  seine  Mühen  und  Arbeiten
für  die  Zukunft  jenem  Königgrätzer  Invaliden  nicht  zur  Antwort
entgegenhielt,  und  die  nationalliberale  Partei  bewies  im  officiellen
Stillschweigen  über  ihre  Vorgänger  eine  muthlose  Undankbarkeit.

Ihr  Gedächtniss  hat  im  Gedränge  ihrer  Tagesarbeit  überhaupt
gelitten.  Als  Lasker  mit  seiner  Arie  vom  9.  Juli  vom  irdischen
Element  Abschied  nahm  und  aus  der  Höhe,  wie  er  sich  ausdrückte,
  vor  dem  ganzen  deutschen  Volke  Zeugniss  ablegte,
dachte  er  nicht  daran,  dass  seine  Partei  mit  dem  eisernen  Militäretat
  nur  die  Vorstufe  zu  dem  eisernen  Bestand  der  Reichseinnahme,
  nach  dem  jetzigen  Tarifgesetz,  gelegt  und  somit  die
Ausserdienstsetzung  des  Reichstags  eingeleitet  hatte.

Schlimm  für  seine  Partei,  dass  sein  Abschied  von  dieser
Welt  nur  ein  verzweifelter  Streich  der  Eifersucht  war,  —  aber
auch  schlimm  für  die  Welt,  dass  er  in  seiner  zweiten  Arie,  vom