268  Die  Lyrik  der  Nationalzeitung.

schmolz.  Die  150  Genossen,  welche  die  Wahlen  zur  zweiten
Periode  des  deutschen  Reichstags  zusammenbrachten,  zerbröckelten
in  den  folgenden  Wahlen  auf  86.  Die  gewerbliche  Noth  und
der  allgemeine  Vermögensverfall  machte  das  Bürgerthum  gegen
ideale  Grundsätze  gleichgültig;  am  wenigsten  war  man  dazu
geneigt,  noch  fernerhin  sich  für  den  Liebeszwist  zwischen  dem
Kanzler  und  seinem  nationalliberalen  Gespons  zu  erwärmen,  und
die  Abneigung  der  Wähler  gegen  eine  grundsätzliche  Opposition
liess  Lasker  bei  den  letzten  Wahlen  zum  preussischen  Abgeordnetenhaus
  sogar  fallen.  Jetzt  sah  Bennigsen  seine  Zeit  gekommen;
  nach  seinem  Varziner  Missgeschick  verstimmt  und  zum
Rückzug  entschlossen,  stellte  er  sich  zur  Wahl  und  als  siegreicher
Vertreter  einer  „praktischen“  Politik  nahm  er  die  Leitung  der
Partei  in  Besitz.

Das  einzig  historisch  Richtige  in  dem  Schreiben,  mit  welchem
Lasker  den  Meininger  Wählen  (in  der  Mitte  des  März  1880)
seinen  nun  nothwendig  gewordenen  Austritt  aus  der  nationalliberalen
  Fraction  des  Reichstags  anzeigt,  ist  die  Motivirung
dieses  Schritts  durch  den  „andern  Sinn,  der  in  die  Leitung  derselben
  gelangt  ist“,  und  durch  ihr  sichtbares  Streben,  „die  Bildung
  einer  klerikal-conservativen  Mehrheit  durch  eine  liberalconservative
  zu  verhindern.“  Jr  vergisst  aber,  dass  die  Partei
von  Anfang  an  schon  unter  seiner  Leitung  denselben  conservativen
  Ausgang  aus  den  Collisionen  und  Frictionen  mit  der  Regierung
  immer  gefunden  hatte,  und  seine  Klage  über  die  Last,
welche  die  Wirthschafts-  und  Steuerpolitik  der  Regierung  den
„untern  Erwerbsklassen“  aufgelegt  habe,  kann  nur  dürftig  genannt
  werden,  nachdem  er  selbst  durch  seine  eifrige  Mitwirkung
für  den  eisernen  Militäretat  die  steigende  Anspannung  der  Steuerkraft
  nothwendig  gemacht  hatte.

Mit  seiner  Lyrik  und  musikalischen  Virtuosität  ist  es  nun
vorbei  und  er  selbst  kann  sich  aus  der  Ferne  an  dem,  für  das
Publikum  sehr  uninteressanten  Schauspiel  ergötzen,  wie  Bennigsen’s
Suppe  durch  die  Ersatzmänner,  die  mit  ihm  in  Dienstbarkeit
wetteifern,  immer  noch  versalzen  werden  mag.