Minister  Hobrecht  und  Coccejus  Nerva,  Kanzler  des  fiberius,  271

erkannte,  keine  Dauer  versprechen.  Die  Zukunft  blieb  unsicher
wie  vorher;  es  lastete  auf  den  Gemüthern  ein  durchsichtiges
Gcheimniss,  nur  wollte  man  davon  nicht  sprechen.

Ein  öffentliches  Geheimniss,  welches  über  einer  politischen
Situation  schwebt,  kann  weltbekannt  sein  und  gleichwohl  wird
das  lösende  Wort,  zur  rechten  Zeit,  im  Augenblick  der  grössten
Spannung  und  in  hoher  entscheidender  Stellung  gesprochen,
nicht  verfehlen  Eindruck  zu  machen.  Es  wird  sogar  einen
epochemachenden  Abschnitt  bezeichnen,  und  der  Geschichte  angehören.


Die  folgenden  Zeilen  werden  zwei  solcher  Erklärungen  über
einen  beängstigenden  Alp  besprechen;  beide  gehören  der  Zeit
an,  in  welcher  ein  neues  Reich  mit  den  Schwierigkeiten  seiner
Organisation  zu  kämpfen  hatte,  und  die  Frage  seines  Fortbestandes
  an  der  Tagesordnung  war.  Die  eine  traf  das  schwärmerische
  Zukunftsbild,  welches  der  leitende  Staatsmann  von  der
finanziellen  Bereicherung  des  deutschen  Reichs  entworfen  hatte;
die  andere  malte  die  Verzweiflung,  mit  welcher  der  einzige  Minister
  des  römischen  Imperators  die  Schöpfung  der  Cäsaren  betrachtete
  und  die  Hoffnung  auf  eine  Schlichtung  des  innern
Zwiespalts  als  ein  Traumbild  schwinden  liess.  Der  preussische
Finanzminister,  der  Vertreter  der  Gegenwart  in  dieser  Parallele,
trat  am  Regierungstisch  des  deutschen  Reichstags  der  geflügelten
Phantasie  des  Kanzlers  frank  und  frei  entgegen  und  pflanzte
gegen  dessen  glänzende  Ausstattung  der  Reichsidee  offen  die
prosaische  Fahne  des  preussischen  Partikularismus  auf.  Der
römische  Minister  verschloss  zwar  seine  Erklärung  der  Lage  in
seiner  Brust  und  nahm  sie  mit  in  den  Tod,  welchen  er  aus  freiem
Entschluss  gewählt  hatte;  aber  seinem  Herrm,  der  am  Lager  des
Sterbenden  denselben  um  sein  Bleiben  und  um  ein  einziges  erklärendes
  Wort  beschwor,  war  dies  Schweigen  des  Dieners  beredter
  als  jede  Auscinandersetzung.

Das  deutsche  Reich  wird  in  der  Zeichnung  des  Fürsten
Kanzlers  (nach  seiner  Reichstagsrede  vom  2.  Mai  1879)  vom  Zuge
der  Liebe  zusammengehalten.  Die  Theilnahme  der  Bürger  für
die  finanzielle  Blüthe  des  Ganzen  erleichtert  und  versüsst  jedem
Einzelnen  die  Entsagung  auf  eigenen  Genuss  und  auf  die  flotte
Ausfuhr  seiner  Waaren  und  Fabrikate  nach  dem»  Ausland.
Während  er  sich  einschränkt,  erhebt  sich  sein  Herz  bei  dem
Anblick  der  Goldströme,  die  in  Folge  des  Tarifgesetzes  zur