278  Minister  Hobrecht  und  Coccejus  Nerva,  Kanzler  des  Tiberius,

an  der  Festsetzung  des  Steuerquotums,  das  Bewusstsein  des
Steuerzahlers  von  dem  Zusammenhang  der  allgemeinen  Wirthschaftslage
  mit  einem  augenblicklichen  Erlasse,  —  alles  das
ging  verloren,  wenn  diese  Erlasse  nicht  nach  dem  Antrag  der
Commission  durch  den  Staatshaushalt  festgestellt,  sondern
erst  den  Ausgleiel  berechnungen  der  Regierung  (nach  deren
Gesetzvorlage)  im  nächsten  Jahre  überlassen  würden.  Er  berief
sich  ausdrücklich  auf  das  ihm  von  der  Regierung  im  vorhergehenden
  Jahr  gegebene  Versprechen,  auf  die  „Vereinbarung“
dieser  Zeit.  Allein  die  Erklärung  des  Regierungscommissärs,
dass  der  Wortlaut  der  Cabinetsordre  vom  14.  Februar  1879
die  Deutung  des  «damaligen  Finanzministers  nicht  nothwendig
fordere  und  dass  die  Regierung  alle  in  jener  Vereinbarung  geleisteten
  Bürgschaften  geben  konnte,  olıne  dem  Landtage  ein
neues  Steuerbewilligungsrecht  einzuräumen,  machten  auf
unsern  Römer  den  tiefsten  Eindruck.  Er  versicherte,  dass  seine
Äusserungen  zu  den  aus  ihnen  gezogenen  Consequenzen  keinen
Anlass  geben  konnten,  wollte  auch  das  Recht  zu  einer  authentischen
  Interpretation  für  sich  nicht  beansprucht  haben.  Dem
Commissär  der  Regierung,  dem  Generalsteuerdirector  Burghart
machte  er  endlich  das  Compliment,  dass  derselbe  nach  seiner
ganzen  Vergangenheit  berufen  und  befähigt  sei,  über  den  Sinn
der  damaligen  Erklärungen  Auskunft  zu  geben,  und  seinen
eignen  Rückzug  deckte  er  mit  der  Versicherung,  dass  zwischen
seinen  eignen  Ausführungen  und  denjenigen  dieses  Kenners  kein
prineipieller  Gegensatz  stattfinde.

So  zehrt  die  neue  Ära  Jeden,  der  in  sie  eintritt,  zum
Schatten  aus  und  der  frühere  Consul  Berlins  war  unwiderruflich
Bürger  dieses  Schattenreichs,  als  er  zu  glauben  anfing.

XXV.

Treitschke  und  Victor  Hugo.

Weder  den  Freunden  des  deutschen  Einheitlers  und  seines
neucsten  Werks,  der  „deutschen  Geschichte  im  neunzehnten
Jahrhundert,“  noch  den  Verehrern  des  französischen  Dichters
wird  ein  besonderer  Gefallen  geschehen,  wenn  sie  aus  obiger
Überschrift  erfahren,  dass  beide  Grössen  vor  den  Augen  der