Volkswirthschaftl.  Einwirkung  Nordamerika’s  auf  das  westl.  Europa,  289

den  Rheinischen  Bergwerksbezirken  aufgehäuften  Eisenvorräthe
auf,  war  bei  sich  selbst  zu  Hause  mit  Errichtung  von  neuen
Eisenwerken  beschäftigt  und  legte  sofort  die  Bahnen  an,  welche
ihm  den  Zugang  zu  ferneren  fruchtbaren  Landstrichen  öffnen
und  das  Übergewicht  in  der  Getreideproduktion  über  die  alte
Welt  sichern  sollten.  Dazu  hörte  man,  dass  es  die  gleiche
Arbeitskraft  in  der  Industrie  und  im  Fabrikwesen  entwickelte
und  sich  für  die  Conceurrenz  in  diesen  Fächern  mit  Europa
stärkte.

Als  die  amerikanischen  Retter  aus  der  Notli  in  den  europäischen
  Häfen  eintrafen  und  das  Abströmen  des  diesseitigen
Goldes  nach  der  neuen  Welt  begann,  war  man  bei  uns  in  Deutschland
  gerade  damit  beschäftigt,  durch  Schutzzölle  und  Erhöhung
der  Tarife  das  Volk  glücklich  zu  machen,  den  Ackerbau  zu
heben  und  Gewerk  und  Industrie  gegen  die  Gefahren  der  Coneurrenz
  sicher  zu  stellen.  Die  überraschende  amerikanische  Intervention,
  dieses  plötzliche  Auftreten  eines  Deus  ex  machina  hätte
den  Blick  über  den  Fehlgriff  jener  legislativen  Aushilfe  zu  den
wachsenden  internationalen  Beziehungen  hinausienken  müssen;
allein  die  Erweiterung  des  Blicks  reichte  nur  so  weit,  dass  man
die  nächsten  Nachbarn,  die  an  demselben  Leiden  wie  der  deutsche
Reichsbürger  krankten  und  in  der  gleichen  Absperrung  die
Heilung  suchten,  ins  Auge  fasste  und  in  der  Vereinigung  aller
dieser  Patienten  zu  einem  industriellen  und  schutzzöllnerischen
Bunde  das  Heil  der  Zukunft  erblickte.

Die  deutschen  Blätter  brachten  im  October  vorigen  Jalıres
die  Nachricht,  dass  ein  umfassender  Zollverein  mit  Inbegriff
Frankreichs  und  der  umliegenden  kleineren  Staaten  für  ganz
Centraleuropa  das  goldene  Zeitalter  des  Glücks  und  des  Wohlstandes
  eröffnen  solle.  Man  sprach  schon  von  Unterhandlungen
der  Regierungen;  das  einzig  Reelle  und  Gediegene  an  der  Idee
war  aber  nur  das  Gefühl  und  die  Anerkennung,  dass  die  anscheinend
  grossen  Staaten  des  Festlandes  in  der  That  sehr  klein
geworden  sind  und  anfangen  einzuschwinden.

Abgesehen  davon,  dass  sie  trotz  der  Mahnung  an  die  Verringerung
  ihres  inneren  Gehalts  vom  gegenseitigen  Neid  nicht  ablassen
  können  und  sich  mit  Schutzzöllen  untereinander  bekriegen,
werden  sie  von  Jahr  zu  Jahr  durch  die  Bedürfnisse  einer  stätig
wachsenden  Bevölkerung  an  den  unzureichenden  Umfang  ihres
eigenen  Bodens  erinnert.  Kein  Zoll  kann  sie  aus  der  Abhängig-Bauer,
  Bismarck’echo  Ära.  19