290  Volkswirthachaftl,  Einwirkung  Nordemerika's  auf  das  west.  Euröpa,

keit  vom  amerikanischen  Ackerbau  herausziehen,  höchstens  wird
eine  vermehrte  Erschwerung  der  fremden  Zufuhr  die  Noth  des
inländischen  Consumenten  steigern.  Es  reicht  hin,  dass  der
Ertrag  einer  Getreidekammer  wie  Ungarns  im  Jahr  1879
wiederum  zur  Ausfuhr  nicht  auslangt  oder  sogar,  wie  in  demselben
  Jahr,  die  Scheuern  Russlands,  welches  bisher  mit  Aınerika
in  der  Versorgung  des  westlichen  Europa  concurrirte,  nicht  nach
dem  Ausland  überfliessen,  um  die  Lage  unseres  Welttlieils  in
seiner  ganzen  Bedenklichkeit  erscheinen  zu  lassen.  Den  Schrecken,
dass  ähnlich  wie  der  Missernte  des  Jahres  1816  nach  den  napoleonischen
  Kriegen  noch  zwei  Fehljahre  folgten,  Europa  wieder
einmal  von  einer  mehrjährigen  Notlı  heimgesucht  werden  kann,
wollen  wir  nicht  einmal  citiren.

Die  ernsteste  Mahnung  an  das  Schicksal  unseres  westlichen
und  centralen  Continents  liefert  uns  England,  welches  doch
bisher  den  musterhaftesten  Ackerbau  aufzuweisen  hatte.  Auch
vor  dem  Eimteausfall  des  vorigen  Jahres  war  der  dortige  Landbau
  durch  den  billigen  amerikanischen  Getreideimport,  zu  welchem
neben  deın  massenhaften  Zufluss  von  Frucht-  und  Gemüse-Conserven
  noch  die  Fleischzufuhr  kommt,  in  eine  bedrängte  Lage
versetzt.  Der  letzte  zchnjährige  Census  der  Vereinigten  Staaten
wies  noch  eine  bedenkliche  Zusammendrängung  der  Einwohner
nach  den  Städten  und  die  Überfüllung  der  Industrie  und  der
Handelscomptoire  nach;  aber  die  Blasticität  der  Bevölkerung
half  sich  bald  nach  jenem  Census  durch  die  Wanderung  nach
dem  fernen  Westen  und  durch  den  Anbau  eines  jungfräulichen
Bodens.  Der  Erfolg  dieser  Selbsthilfe  zeigte  sich  in  der  wachsenden
  Zufuhr  des  amerikanischen  Getreides  in  England  und  in
der  Herabdrückung  der  dortigen  Preise.  Obwohl  demzufolge  die
Grossgrundbesitzer  den  Pachtpreis  ermässigten,  so  blieben  doch
zahlreiche  Farmen  unbesetzt,  und  die  Pächter  zogen  es  vor,  ihr
Kapital  über  das  Mcer  zu  tragen  und  in  dem  Reiche,  welches
den  Markt  der  alten  Welt  beherrscht,  die  Zahl  der  Landbauer
zu  vermehren.  Während  diese  Auswanderer  für  ihre  Erzeugnisse
aus  Europa  die  Mittel  zum  Wohlstand  und  Aufsteigen  beziehen,
sahen  sich  ihre  früheren  Pachtherren  gezwungen,  ihren  fruchtbaren
  Boden  in  Weideland  zu  verwandeln,  das  Ackerland  zu
verkürzen  und  die  fremde  Concurenz  noch  zu  verstärken.

Dieselbe  Schwungkraft,  welche  Amerika  nach  den  Bürgerkriegen
  entwickelte,  indem  es  zwischen  seinen  beiden  Oceanen