Volkswirthschaftl.  Einwirkung  Nordamerika’s  auf  das  westl.  Europ.  291

über  kaun  erforschte  wüste  Landstrecken  und  über  Schneegebirge
eine  Eisenbahn  zog  und  der  Unternehmungslust  seiner  eigenen
Cultur-Pioniere  neue  Bahnen  öffnete,  zeigte  es  auch  in  der  Anwendung
  des  Goldstroms,  der  ihm  seit  dem  vorigen  Herbst  für
sein  Getreide  aus  Europa  zufloss,  für  neue  Culturbauten.  Es  erweiterte
  sein  Eisenbahnnetz  und  füllte  es  aus;  für  die  künftige
Versorgung  Europa’s  mit  Frucht,  Fleisch  und  Korn  errichtete  es
colossale  Gebäude  zur  Concentration,  Anhäufung  und  Versendung.
Da  ihm  seine  eigene  Eisenproduktion  für  alle  diese  Grossbauten
  nicht  ausreichte,  nalım  es  England  und  unserm  Festlande
ihre  übermässigen  und  rulienden  Vorräthe  von  Roheisen  ab,  bestellte
  zum  Bau  der  neuen  Bahnen  und  zum  Ersatz  der  abgenutzten
  Schienen  Stahlschienen,  auch  alte  zum  Umschmelzen.
Die  heimischen  amerikanischen  Eisenwerke  waren  mit  Aufträgen
so  bestimmt,  dass  sie  den  Schutzzoll  für  Eiseneinfuhr  nicht  fürchteten,
  ausserdem  hatte  in  der  damaligen  Hitze  des  Bedarfs  die
Unionsregierung  zur  Erleichterung  des  Imports  den  Eingangszoll
für  Stahlblöcke  herabgesetzt.  Die  Preise  stiegen  in  der  alten
Welt;  in  England  und  Deutschland  wurden  die  ausgeblasenen
Hochöfen  wieder  entflammt.

Als  der  Herr  der  neuen  Welt  baute,  hatten  die  Arbeiter  der
alten  zu  thun.

Aber  auch  in  der  Hitze  des  jetzigen  lisenfiebers  setzte
Amerika  seine  Ausrüstung  zum  Wettkampf  mit  der  alten  Welt
auf  dem  Gebiet  der  Industrie  fort.  Es  wollte  über  die  Drei,
die  im  Lauf  der  letzten  drei  Jahrhunderte  den  Geschmack  auf
diesem  Gebiet  beherrscht  hatten,  den  Sieg  davon  tragen.

In  Bezug  auf  Hausgeräth,  Kunsttischlerei,  Verfertigung  alles
dessen,  was  zum  grossen  Ameublement  gehört,  besassen  Nürnberg
  und  Augsburg  bis  zum  Anfang  des  vorigen  Jahrhunderts
das  Monopol  und  die  Füljrung  im  Geschmack.  Seit  der  Zeit
Ludwig  XV.  siegte  jedoch  in  diesem  Fach  Frankreich,  welches
mit  seinem  leicht  und  zart  gearbeiteten  und  in  vollgeschweiften
Formen  ausgeführten  Geräth  einen  neuen  Geschmack  verbreitete;
über  Frankreich  kam  dann  die  englische  Arbeit  empor,  welche
Siumplicität  zeigte  und  auf  das  Zweckmässige  ausging.  Nürnberg
behauptete  zwar  immer  noch  den  Ruhm  der  eigenen,  fleissigen
und  genauen  Arbeit  und  warf  dazu  noch  den  Vorzug  der  Wohlfeilheit
  ins  Gewicht.  Aber  man  hat  auch,  wie  Nikolai  in  seiner
trefflichen  Reisebeschreibnng  erzählt,  —  also  um  das  Jahr  1780,

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