2999  _  Volkswirthschaftl,  Einwirkung  Nordamerika'a  anf  das  westl.  Europa,

—  sehr  wohl  bemerkt,  dass  die  Nürnbergischen  Gewerke,  nebst
den  dazu  gehörigen  Handgriffen,  nur  bis  auf  einen  gewissen
Punkt  gebracht  wurden  und  dabei  stehen  blieben.  Es  gab
damals,  wie  sich  Nikolai  ausdrückt,  kawın  noch  eine  Stadt,  wo
so  viel  und  so  mancherlei  Art  von  Industrie  vereinigt  und  doch
seit  langer  Zeit  fast  keine  Veränderung  der  Fabrikation  aufgekommen
  war.  Den  Contrast  z.  B.  zwischen  der  Entwicklung
und  Beweglichkeit  der  Eisen-  und  Messingindustrie  Birminghams
  und  Nürnbergs  fand  man  in  dieser  Beziehung  auffallend.
Neuerlich  mussten  indessen  England  und  Frankreich,  die
industriellen  Sieger  über  Deutschland,  plötzlich  bemerken,  dass
auch  über  sie  ein  Gewappneter  gekonmen.  Es  ist  Nord-Amerika.
  Bis  jetzt  wusste  der  deutsche  Tischler  und  Bronceur,
wenn  er  hörte,  dass  einer  seiner  Kunden  nach  Paris  zu  einer
Ausstellung  gereist  war,  er  könne  auf  den  Verlust  eines  Auftraggebers
  rechnen.  Nun  aber  braucht  der  Kunde  eines  deutschen
  Meisters  nicht  erst  nach  New-York  zu  reisen,  denn  der
Riese  der  neuen  Welt  beginnt  schon,  seine  Gewerbs-Erzeugnisse
auf  den  Markt  unsrer  alten  Welt  zu  werfen;  er  fängt  wie
Birmingham  mit  dem  Handlichen,  Nützlichen,  für  den  lHausgebrauch
  Zweckmässigen  an  und  rüstet  sich  bereits  dazu,  es
auch  in  dem  feinen  Geschmack  mit  Paris  aufzunehmen.  Nicht
nur  ein  Mitglied  der  englischen  Commission,  welches  1876  die
Ausstellung  zu  Philadelphia  studirte,  schrieb  damals  an  die
„Times“,  dass  Amerika,  Dank  seiner  eignen  Betriebsamkeit,
Eisen-  und  Baumwollen-Fabrikate  bald  aufden  englischen  Markt
werfen  werde,  sondern  auch  ein  französischer  Berichterstatter
beklagt  das  „traurige  Schauspiel“,  welches  ihm  die  Ausstellung
der  Quäkerstadt  gegeben  hat.  Er  sicht  daselbst  Luxusartikel,
die  bisher  Frankreich  eigen  waren;  „wir  geben  nicht  mehr
den  Ton  an,“  ruft  er  aus,  „die  Andern  überholen  uns“.  „Man
glaubte  bisher  in  Frankreich,  dass  die  Porzellan-Gonmissäre  die
amerikanischen  Bestellungen  Sachsen  zuwenden;  dem  ist  aber
nicht  so:  die  Amerikaner  beziehen  nicht  mehr  Porzellan  aus
Deutschland  denn  von  uns;  ihre  Bestellungen  haben  abgenommen,
weil  sie  selbst  fabrieiren  und  die  Produktion  zu  vervollkommen
suchen.“  Was  den  französischen  Beobachter  am  meisten  betrübte,
  war  der  Aufschwung,  den  selbst  die  Sciden-Fabrikation,
  das  bisherige  Monopol  Frankreichs,  in  Amerika,  zunächst
  mit  Hülfe  französischer  Einwanderer,  genommen  hat.