Volkswirthschaftl.  Einwirkung  Nordameriku’s  auf  das  westl.  Europa.  293

In  der  That  liefern  die  grossartigen  Seidenfabriken  in
Connecticut,  New-Jersey  und  Massachussets  einen  so
vorzüglichen  Stoff,  dass  sie  jeden  Import  verdrängt  haben  und
bereits  exportiren.  Die  „Association  der  Seidenmanufacturisten
der  Vereinigten  Staaten“  verpflichtet  sich  in  ihren  Statuten,  die
reinsten  Farben,  die  besten  und  stärksten  Faden  zu  gebrauchen,
den  Glanz  ihrer  Zeuge  nicht  durch  Mittel  herzustellen,  welche
das  Gewebe  schädigen,  und  die  Schwere  des  Stoffes  nicht  auf
künstliche  Weise  durch  Chemikalien,  Mineralien  oder  Oele  zu
bewirken.  Die  Summe  ihrer  Politik  ist  „Honesty“.

England,  dessen  Manufacturgrösse  nicht  weniger  wie  die
Industrie  unsers  Continents  durch  das  Wachsthum  des  überseeischen
  Riesen  bedroht  wird,  ist  trotzdem,  dass  in  seinem  Reich
die  Sonne  nicht  untergeht,  von  dem  Gefühl  des  Einschwindens
nieht  verschont  geblieben.  Bernard  de  Mandeville,  der  englische,
  in  Holland  geborene  Autor,  verglich  in  den  (1723  erschienenen)
  Erklärungen  zu  seiner  „Bienen-Fabel“  das  schiffreiche
  Holland  in  seinem  Verhältniss  zu  dem  zugleich  landbegüterten
  England  mit  einem  Fuhrherm,  der,  arm  an  Bodenbesitz
und  Ertrag,  eine  Menge  Fuhrwerk  hält  und  die  Waaren  der
Welt  hin  und  her  kutschirt,  während  der  Engländer  als  grosser
Landlord  in  eigner  Carosse  führt.  Holland  war  damals,  als
Mandeville  schrieb,  zweimal  unter  der  Last  seiner  Anstrengungen,
  Schulden,  Abgaben  und  Steuern  sehr  leidend  gewesen.
Znerst  hatte  es  sich  im  achtzigjährigen  Kampf  mit  Spanien  erschöpft
  und  bald  darauf  wieder  seine  Kräfte  anspannen  müssen,
um  die  colossalen  Flotten  zum  Kampf  mit  Cromwell  und  Karl  II.
aufzustellen.  Seit  der  Seit  Mandeville’s  fing  der  Handel  seinen
Rückzug  aus  dem  mit  Steuern  und  Abgaben  beladenen  Lande
an  und  zogen  Hamburg  und  Bremen  einen  Theil  dieses  Verkehrs
  in  ihre  Häfen.  Jetzt  ist  für  England  die  Zeit  gekommen,
  wo  es  fühlt,  dass  sein  Land-  und  Bodenreichthum  der
Ausbreitung  seiner  Colonieen  und  politischen  Macht  nicht  mehr
hinreichend  entspricht,  und  aus  der  Anwandlung  dieser  Ahnung
  von  der  ungenügenden  Grösse  seiner  Basis  sind  die
Schwankungen  seiner  neueren  Politik  zu  erklären.

Der  Aufschwung,  welcher  seit  dem  Eisenbedarf  Amerika’s
im  Herbst  des  vorigen  Jahres  die  Eisenwerke  Englands  und
unsers  Festlandes  belebte,  hat  wieder  nachgelassen,  seitdem  die
Rührigkeit  der  eignen  Etablissemients  zur  Befriedigung  der  Be-