Einleitung.

artelle  und  Trusts  sind  hervorragende  Beispiele  jener  großen

Selbstwidersprüche,  deren  die  moderne  Gesellschaft  so  viele

aufweist,  die  aber  vielleicht  wesentliche  Glieder  jenes  nie
innehaltenden  und  unendlichen  Stroms  der  Evolution  bilden,
welche  in  ihrer  Gresamtheit  die  Welt  selbst  ist.  Das  Leben  ist
ein  Dahinsterben:  es  nützt  sich  selbst  ab,  es  vernichtet  sich  selbst;
und  im  geraden  Verhältnis  mit  seiner  Intensität  vermehren  sich
die  Faktoren,  die  sein  Ableben  verursachen.  Freiheit  ist  Gebundenheit:
  die  Unterwerfung  des  einzelnen  unter  die  Herrschaft
höherer,  aber  um  so  zwingenderer  Gesetze.  Als  die  französische
Revolution  die  Gründung  von  Vereinen  untersagte,  übte  sie  einen
Terrorismus  über  die  individuelle  Freiheit,  den  sie  an  Ludwig  XV1.
mit  Feuer  und  Schwert  gerächt  hätte.  Das  Dilemma  ist  unausweichlich:
  denn  was  ist  die  Vertragsfreiheit  sonst,  als  Freiheit
zur  Unterwerfung  des  individuellen  Willens  dem  Willen  eines
andern  Individuums?  und  was  die  Vereinigungsfreiheit,  als  Recht
des  einzelnen  zur  Unterwerfung  seines  Willens  dem  Willen  der
Vereinsmehrheit?  Der  Satz  der  Vertrags-  und  Vereinigungsfreiheit
  ist  gleichbedeutend  mit  der  Anerkennung  des  Rechts  des
einzelnen,  auf  seine  schrankenlose  Freiheit  teilweise  aus  freien
Stücken  zu  verzichten,  und  nichts  gefährdet  daher  drohender  die
Vertrags-  und  Vereinsfreiheit  als  sie  selbst.  Was  Wunder  also,
wenn  jene  Parteien,  die  kein  Vorwurf  weniger  als  der  des  übertriebenen
  Kultus  der  individuellen  Freiheit  trifft,  gegen  die
Kartellbewegung  das  Prinzip  der  individuellen  Freiheit  ins  Treffen

führen;  und  was  Wunder,  wenn  die  außer  Kartell  Stehenden,  die
Baumgarten-Meszlöny.  I