2  Einleitung.

also  Vor-  und  Nachteile  der  freien  Konkurrenz  genießen  und
dulden,  die  Einschränkung  der  Vertragsfreiheit  fordern  zum
Schutz  gegen  die  aus  der  Vertragsfreiheit  entsprungenen  und  in
ihr  wurzeinden  Kartelle!

Der  der  Kartellbewegung  innewohnende  Selbstwiderspruch
reicht  aber  mit  seinen  Wurzeln  noch  weiter,  bis  zum  Urgrund
ihrer  Entstehung.  Ohne  Wettbewerb  keine  Beschränkung  des
Wettbewerbs;  das  Bestehen  einer  Konkurrenz  bildet  den  Humus
der  Kartellbewegung.  Nun  ist  der  Wettbewerb  selbst  —  samt
seinen  Nebenerscheinungen  —  die  Mutter  eigenartiger  Widersprüche.
  Der  Wettbewerb  bewirkt,  daß  jener,  der  Güter  auf  den
Markt  bringt,  eine  seinen  Interessen  stracks  zuwiderlaufende
Handlungsweise  befolgen  muß:  er  muß  viel  produzieren  und
billig  verkaufen,  während  es  sein  Interesse  wäre,  wenig  zu
produzieren  und  teuer  zu  verkaufen.  Die  Beschränkung  des
Wettbewerbs  steckt  sich  das  Ziel,  diesen  Widerspruch  zu  beseitigen
  und  den  natürlichen  Zweck  des  Produzenten  zur  Geltung
zu  bringen.  Diese  Bestrebungen  bedrohen  aber,  wenn  von  Erfolg
  begleitet,  eine  Reihe  anderer  wichtiger  Interessen,  die  teilweise
  wieder  nur  in  der  Aufrechterhaltung  des  Wettbewerbs
ihren  Schutzwall  sehen;  und  die  Aufrechterhaltung  des  Wettbewerbs
  ist  in  unserer  heutigen  Gesellschaftsordnung  gleichbedeutend
  mit  der  Sicherung  der  Konkurrenzfreiheit.

All  diese  Zusammenhänge  in  ihren  verschiedensten  Richtungen
aufzusuchen,  aufzuklären  und  zu  ordnen,  ist  der  Zweck  vorstehender
  Abhandlung,  die  zur  Erreichung  dieses  Ziels  ein  von
der  hergebrachten  Behandlungsweise  gewissermaßen  abweichendes
System  befolgt.

Bei  der  Untersuchung  der  Kartellbewegung,  einer  Erscheinung
  des  modernen,  ja  allerneuesten  wirtschaftlichen  Lebens,
steht  vorläufig  das  Erkennen  der  Erscheinung  selbst  im  Vordergrund.
  Von  vornherein  festgesetzten  und  umgrenzten  Begriffen
  ausgehend,  würden  wir  Gefahr  laufen,  mit  dem  Wellenschlag
  der  noch  in  Wallung  begriffenen  Entwicklung  in  Gegensatz
  zu  kommen;  und  dies  würde  nichts  anderes  bedeuten  als
Fälschung  der  Wahrheiten  des  Lebens.  Vor  allem  beobachten
wir  daher,  ergründen  —  so  weit  es  das  uns  zugängliche  Material
gestattet  —  den  Ursprung,  die  Entwicklung,  Arten  der  zu  beobachtenden
  Erscheinungen,  beschreiben  die  einzelnen  derartigen