8  ı.  Ursachen,  Vorbedingungen  und  Arten  der  Kartellentstehung.  13

das  Terrain  für  das  Kartell  vor,  insbesondere  in  dem  Falle,  wenn
die  ausländische  Konkurrenz  intensiv  und  eventuell  durch  hohe
Zölle  gehindert  ist.  Aus  diesem  Grunde  bilden  sich  am  schwersten
die  internationalen  Kartelle,  die  all  diese  Hindernisse  und  Verschiedenheiten
  überwinden  müssen.

Außer  diesen  sachlichen  Momenten  —  wie  die  natürliche
und  künstliche  (Schutzzoll)  Lokalisation  der  Industrie  —  spielen
auch  persönliche  Momente  oft  eine  große  Rolle  bei  der  Entstehung
  des  Kartells.  So  z.  B.  hat  die  stark  individuelle,  sogar
autozentrische  Auffassung  der  Engländer  oft  den  Kartellierungsprozeß
  aufgehalten,  der  ja  im  Endresultat  stets  eine  Unterwerfung
des  Einzelwillens  erfordert.!)

Schließlich  ist  zu  bemerken,  daß  die  Preisschwankung  im
Rohmaterial  sowie  auch  die  stetige  Änderung  des  Produktionsquantums
  die  Entstehung  des  Kartells  erschweren;  wo  also  diese
Faktoren  vorhanden  sind,  wird  ein  Kartell  nicht  leicht  zustande
kommen.

Nachdem  wir  nun  jene  Faktoren  kennen  gelernt  haben,
welche  einerseits  Kartelle  hervorrufen  und  fördern  und  andererseits
  deren  Existenz  hindern,  können  wir  leicht  feststellen,  welche‘
Zweige  der  Produktion  kartellierungsfählig  und  aus  welchem
Grund  es  gerade  diese  sind.

In  der  Agrikultur  finden  wir  kaum  Beispiele  der  Kartellierung.
Die  Ursache  liegt  in  der  Verschiedenheit  der  Produktionsarten,
in  den  abweichenden  Produktionskosten  und  in  der  riesig  großen
Zahl  der  Unternehmer.?)

Am  häufigsten  kommen  Kartelle  in  jenen  Industriezweigen
vor,  die  mit  großer  Kapitalinvestition  Massenwaren  erzeugen;
auch  sind  die  Transportunternehmungen  in  erhöhtem  Grade  kartellierungsfähig,
  insbesondere  dann,  wenn  die  öffentliche  Gewalt
die  Gleichheit  der  Tarife  nicht  kontrolliert  und  Begünstigungen
nicht  ausgeschlossen  sind.

Die  bisherige  Entwicklung  der  Kartell-  und  Trustbewegung
überzeugt  davon,  daß  der  eigentliche  Schwerpunkt  dieser

2)  Bücher  (a.a.  O.  S.  61)  bemerkt  richtig:  Es  scheint  fast,  als  läge  etwas  im
Wesen  der  Kartelie,  das  starke  Individualitäten  ausschließt.  Denn  wo  solche  sind,
da  wollen  sie  sich  auch  auswirken,  da  wollen  sie  zur  besonderen  Geltung  gelangen
und  das  verträgt  die  Organisation  des  Kartells  nicht.

fr)  Die  näheren  Details  dieser  Frage  siehe  bei  Liefmann  (a.  a.  O.  S.  62)  und
Schneider,  Verhandlungen  des  XXVI.  Deutschen  Juristentags,  I.  Band.