18  I.  Kapitel.  Über  Kartelle  und  Trusts  im  allgemeinen.

der  amerikanischen  Continental  Tobacco  Company,  bei
welcher  die  Firma  Ligett  &amp;  Meyer  ihre  Fabrik  für  12  500000
Dollar  verkauft  hat,  was  einem  Sechstel  des  gesamten  Aktienkapitals
  entsprach.  Bei  der  Gründung  des  Stahltrusts  wurden  die
Carnegie  Fabriken  für  500000000  Dollar  gekauft.  Beide  Beispiele
zeigen,  daß  der  Promoter  die  mächtigen  Unternehmungen  überzahlt,
  während  er  die  schwächeren,  oder  diejenigen,  deren  Ausrüstung
  mangelhaft  ist  und  die  um  jeden  Preis  den  schädlichen
Folgen  der  Konkurrenz  ausweichen  wollen,  leicht  tief  unter  dem
Wert  anzuschaffen  imstande  sein  wird.

Nach  Feststellung  des  Preises  wird  bestimmt,  ob  man  in
Bargeld  oder  in  Aktien  zu  bezahlen  hat.  Falls  die  Barzahlung
nicht  durchzusetzen  ist,  hat  der  Promoter  für  die  Placierung  der
entsprechenden  Aktienscheine  zu  sorgen.  Zu  diesem  Zwecke
wendet  er  sich  an  Bankhäuser  oder  Finanziers,  die  als  Aktienunterzeichner
  (underwriters)  bestrebt  sind,  sich  den  Löwenanteil
des  Gewinnes  zu  sichern.  Das  berühmte  Bankhaus  J.P.Morgan
hat  bei  vielen  Trustgründungen  als  Promoter  und  Aktienunterzeichner
  mitgewirkt;  so  z.  B.  hat  die  erwähnte  Firma  bei  der
Gründung  des  Stahltrusts  200000000  Dollar  gezeichnet.  Der
underwriter  übernimmt  die  Aktien  zu  einem  im  voraus  bestimmten
Preise,  zu  welchem  er  dieselben  leicht  zu  verwerten  hofft.  Gelingt
die  Lanzierung  der  Aktien  nicht,  so  entstehen  für  ihn  Verluste,
während  im  entgegengesetzten  Fall  der  Gewinn  durch  die  Kursdifferenzen
  gegeben  ist.

Eine  spezielle  Art  der  Aktienzeichnung  ist  das  sogenannte
„insurance  underwriting“,  welches  nur  ein  Optionsrecht  gibt,
wobei  der  Promoter  oder  die  neu  gegründete  Gesellschaft  selbst
ihre  Aktien  in  den  Verkehr  bringt;  der  erreichte  Überschuß  über
die  Unterzeichnungssumme  gebührt  dem  underwriter,  während  er
das  eventuelle  Manko  zu  ersetzen  hat.  Eine  andere  Art  dieser
finanziellen  Operation  ist  das  sogenannte  „privilege  underwriting“;
  das  „privilege“  gibt  das  Recht  zur  Übernahme  von
hundert  Prioritäts-  und  hundert  Stammaktien,  zu  einer  im  voraus
bestimmten  unter  dem  Nennwert  bleibenden  Summe;  die  Differenz
bei  dem  Verkaufe  dieser  200  Aktien  fällt  dann  zu  Gunsten  oder
zu  Lasten  des  Unterzeichners.

Um  möglichst  viele  Fabrikbesitzer  zu  veranlassen,  Aktien
statt  Bargeld  anzunehmen,  ist  es  üblich,  das  Aktienkapital  in