8  3.  Einfuß  des  Schutzzolles  auf  Kartelle  und  Trusts,  23

im  verschiedensten  Maße  —  gegenüber  den  ausländischen.  Hingegen
  bietet  der  Schutzzoll  eine  gemeinsame  Grundlage,  um  das
ganze  Gebiet  seiner  Geltung  in  ein  Kartell  zu  vereinen,  und  stellt
den  geschützten  Industriezweig  dem  ausländischen  Konkurrenten
schroff  gegenüber.

Auch  die  Industrieförderungsaktion  ist  bestrebt,  die  inländischen
  Fabrikanten  gegenüber  dem  Auslande  konkurrenzfähig
zu  machen.  Das  Ziel  des  Schutzzolles  ist  nicht  mehr  die  Gleichstellung
  der  ausländischen  und  inländischen  Produzenten,  sondern
die  Begünstigung  der  letzteren  durch  Ausschluß  der  ersteren.
Während  es  selbst  bei  einer  richtig  durchgeführten  Tarifpolitik
vorkommen  kann,  daß  zwei  verschiedenen  Staaten  angehörige,
an  der  Grenze  gelegene  Fabriken  in  Interessengemeinschaft
stehen,  zerschneidet  der  Schutzzoll  mit  einem  Schlage  jede  lokale
Gemeinschaft  und  kreiert  die  Gemeinschaft  sämtlicher  inländischen
Fabrikanten  gegen  das  Ausland,  indem  er  durch  Ausschluß  resp.
Beschränkung  der  ausländischen  Konkurrenz  einen  monopolartigen
Gewinn  der  Industrie  im  Inlande  gewährt.  Durch  den  Schutzzoll
  gelangen  auch  die  Unternehmervereinigungen  zur  Gewalt
und  oft  zur  Alleinherrschaft.  Nach  Einführung  des  Schutzzolles
werden  die  Produzenten  desselben  Industriezweiges  bestrebt  sein,
den  ganzen  Schutzzoll  und  die  Transportkosten,  mit  welchen  belastet
  die  ausländische  Konkurrenz  auftritt,  als  Reingewinn  zu
behalten.  Zur  Erreichung  dieses  Zweckes  bietet  sich  die  Kartellierung
  dar,  womit  auch  bei  den  Trusts  oft  die  Einstellung  der
nicht  rentablen  Betriebe,  die  Ausdehnung  der  mit  Gewinn  arbeitenden
  Fabriken  und  womöglich  auch  die  Minderung  der  Produktionskosten
  verbunden  ist.  In  diesem  Stadium  ist  auch  die
Gründung  neuer  Fabriken  erschwert,  da  sie  mit  großen  Investitionen
  verbunden  ist,  und  da  die  Kartelle  oft  durch  zeitweilige
Preisherabsetzungen  die  neue  Konkurrenz  in  ihrem  Keime  zu
ersticken  trachten.

Dieser  flüchtige  Blick  zeigt,  in  welch  engem  Zusammenhang
der  Schutzzoll  mit  der  Kartellfrage  steht.  Manche  Schriftsteller  !)
behaupten  sogar,  daß  ohne  Schutzzölle  Kartelle  nie  entstanden
wären.  Insbesondere  sind  die  Anhänger  des  Freihandels  bestrebt,

N)  So  Raffalovich:  Les  coalitions  de  producteurs  et  le  protectionisme;
Rosenberg:  Zeitschrift  für  Staats-  und  Volkswirtschaft,  Bd.  IV;  vgl.  Liefmann
2.2.  0.5.5,  64.