8  3.  Einfluß  des  Schutzzolles  auf  Kartelle  und  Trusts,  29

Kapitalien  zu  Grunde  gehen.  Auch  volkswirtschaftlich  ist  dies
vorteilhafter,  als  wenn  der  betreffende  Betrieb  überhaupt  eingestellt
  und  dessen  Angestellte  der  Arbeitsgelegenheit  verlustig
gingen.  Der  billigere  Export  versieht  auch  in  kritischen  Zeiten
—  wenn  der  Inlandsmarkt  derart  übersättigt  ist,  daß  er  für  die
Aufnahme  neuerer  Produkte  überhaupt  keinen  Raum  mehr  hat  —
die  Rolle  eines  Sicherheitsventils.  Die  inländische  Industrie  vermag
hierdurch,  ohne  ihre  Produktion  mit  riesigem  Verluste  absetzen
und  ohne  ihren  Betrieb  einschränken  zu  müssen,  zur  Zeit  einer
günstigen  wirtschaftlichen  Entwicklung  der  gesteigerten  Nachfrage
  wieder  zu  entsprechen.  Die  moderne  Handelspolitik  strebt
ebenfalls  nach  Steigerung  des  Exportes,  welcher  stets  mit  den
Schleuderpreisen  der  konkurrierenden  ausländischen  Überproduktion
  Schritt  halten  muß,  Dieser  Tendenz  dienen  auch  die
staatlichen  und  privaten  Ausfuhrprämien,  welche  den  billigen
Export  künstlich  hervorrufen.

Die  Folgerung  demnach,  daß  der  inländische  Konsument
nicht  durch  die  billigen  Auslands-,  sondern  durch  die  allzu  hohen
Inlandspreise  geschädigt  wird,  ist  unbedingt  richtig.  Es  kann
auch  die  allzu  hohe  Bemessung  der  Preise  den  Konsum  mindern:
und  auf  dem  Wege  des  wirtschaftlichen  Kreislaufes  jene  Industrie
selbst  nachteilig  beeinflussen,  die  ihre  Lage  mißbraucht  hat.  Die
billigen  Auslandspreise  können  den  inländischen  Markt  nur  dann
schädlich  beeinflussen,  wenn  Rohmaterial  oder  Halbprodukte  zu
solchen  Preisen  exportiert  werden,  daß  die  ausländische  Industrie
ihre  fertigen  Waren  billiger  auf  den  Markt  bringen  kann  als
die  inländische  Industrie,  welche,  durch  die  hohen  Anschaffungspreise
  belastet,  eben  der  ausländischen  Industrie  unterliegt,  welche
ihre  Rohprodukte  zu  billigen  Exportpreisen  anschaffen  konnte.
Auf  eine  frappante  Weise  ist  dies  bei  den  kontradiktorischen  Verhandlungen
  zu  Tage  getreten,  und  wir  müssen  Adolf  Wagner
beipflichten,  wenn  er  bemerkt,  das  Vorgehen  des  Halbzeugverbandes,
  der  mit  20°/,  billiger  exportiert,  schädige  die  inländische
Industrie,  welche  die  betreffenden  Halbprodukte  aufarbeitet,  so
daß  sie  sich  gegen  diese  Schädigung  nur  durch  eine  entsprechende
Organisation  der  Nachfrage  schützen  könne  (Heft  6,  S.  420  u.  463;
2.  u.  3.  Dez.  1903).

Hingegen  führt  Liefmann  (a.  a.  O.  S.  28)  aus,  die  Situation
der  verarbeitenden  Industrie  wäre  auch  dann  nicht  besser,  wenn