30  I.  Kapitel.  Über  Kartelle  und  Trusts  im  allgemeinen,

die  Rohwaren  überhaupt  nicht  exportiert  würden.  Auch  hier
seien  nicht  die  Exportpreise  sondern  ausschließlich  die  Inlandspreise
  maßgebend.  Hierbei  bleibt  jedoch  der  Umstand  unbeachtet,
daß  der  billige  Export  der  Rohwaren  auch  die  ausländischen  Preise
verdirbt,  so  daß  er  im  Endresultate  doch  das  Rohmaterial  der
ausländischen  Industrie  im  Preis  herunterdrückt  und  hierdurch
dieselbe  in  ihrem  Konkurrenzkampf  gegen  die  inländische  Industrie
kräftig.  Wenn  also  in  dem  angeführten  Beispiel  Deutschland
nicht  zu  herabgesetzten  Preisen  exportiert  hätte,  würden  auch  die
Auslandspreise  der  Rohprodukte,  die  eben  durch  diesen  Schleuderexport
  herabgedrückt  wurden,  sich  höher  gestellt  haben,  so
daß  die  Konkurrenz  des  Auslandes  mit  den  Fertig-  Produkten
auf  dem  deutschen  Markt  nicht  unter  so  günstigen  Umständen
hätte  auftreten  können.

Andererseits  aber  bewegt  sich  der  Export  nicht  nur  in
einer  Richtung,  sondern  diese  verschiedenen  Exportlinien  kreuzen
  sich  durch  alle  Länder,  so  daß  im  Endergebnis  die  entgegengesetzten
  Kräfte  sich  teilweise  im  Gleichgewicht  halten.
Es  scheint  auch,  daß  die  Kartelle  durch  den  billigen  Export
einander  gegenseitig  die  Preise  herunterdrücken,  so  daß  die
Kartellsünden  des  einen  Landes  die  Kartellmißbräuche  des  andern
Landes  mildern  können  und  umgekehrt.  In  letzter  Folge  wirkt
also  der  weltwirtschaftliche  Tauschverkehr  auf  abnorme  Situationen
in  gewissem  Grade  ausgleichend  und  mildernd.

Ohne  diesen  Gedanken  in  seinen  Konsequenzen  weiter  zu
verfolgen,  können  wir  feststellen,  daß  die  Kombination  von  Schutzzoll
  und  Kartell  billigen  Export  und  die  hohen  Inlandspreise  erzeugt,
  welche  Erscheinung  jedoch  durch  die  internationale  Konkurrenz
  der  produzierenden  Länder  gegenseitig  im  Gleichgewicht
  gehalten  wird.  Der  billige  Export  als  Folge  des  Schutzzolls
  kann  einerseits  durch  internationale  Kartelle,  andrerseits  aber
durch  Entstehung  von  Unternehmungen,  welche  durch  Filialgründungen
  ihre  Wirksamkeit  auf  mehrere  Länder  erstrecken
und  überall  eine  einheitliche  Preispolitik  verfolgen,  eliminiert  werden.
  In  diesem  Sinne  gehen  die  Dynamitfabriken  Nobel  und  die
Solvay-Sodafabriken  voran,  deren  nähere  Geschäftsgebarung  wir
im  folgenden  noch  eingehender  kennen  lernen  werden.

Die  Zollpolitik  kann  jedoch  nicht  nur  die  Entstehung  der
Kartelle  und  Trusts  erleichtern  oder  deren  weitere  Wirkung