8  6.  Zurückführung  auf  die  element.  Erscheinungen  der  Volkswirtschaft.  53

ohne  ein  absichtliches,  planmäßiges  Eingreifen  insofern  automatisch
  entsteht,  als  es  sich  immer  nur  um  den  Gedankengang  und
Entschluß  eines  isolierten  Tauschpaares  handelt.  Die  Wirkung
aber,  die  diese  Preisbildung  auf  die  am  Markt  beteiligten  übrigen
Wirtschaftssubjekte  ausübt,  ist  eine  rein  psychologische;  und  indem
  sie  als  Motiv  zu  den  verschiedensten  Entschlüssen  und  Maßnahmen
  seitens  der  Beteiligten  wirkt,  wird  sie  selbst  zu  einem
sehr  wesentlichen  Faktor  der  Preisbildung.  Dies  ist  die  einzig
mögliche  Erklärung  für  die  Erscheinung,  daß  hohe  Preise  ein
Anwachsen  des  Angebots  und  dadurch  ein  Sinken  der  Preise
verursachen  und  umgekehrt  niedere  Preise  ein  Abnehmen  im
Angebot  und  das  Steigen  der  Preise  nach  sich  ziehen.  Dies  ist
also  die  Ursache  der  Neigung  des  Preises  nach  der  Höhe  der
Herstellungskosten  hin,  da  diese  jenes  Minimum  bedeuten,  unter
welchem  der  Produzent  nur  ausnahmsweise  verkaufen  kann,  das
er  aber  auch  im  Zustand  der  freien  Konkurrenz  nicht  wesentlich
zu  übersteigen  vermag,  da  ihm  sonst  neue  Konkurrenz  erwächst,
die  den  Preis  wieder  annähernd  auf  das  Niveau  der  Herstellungskosten
  herabdrückt.  Wie  sich  nun  die  Preisschwankungen  im
wirtschaftlichen  Leben  abspielen,  so  ändert  sich  auch  die  Reaktion
der  Beteiligten  auf  die  Preisbildung,  und  so  gibt  es  Marktlagen,
die  notwendig  Kartellbewegungen  erzeugen,  und  auch  solche,
die  ähnlichen  Bewegungen  ungünstig  entgegenwirken.

Das  Bestreben,  auf  die  Preisbildung  durch  gemeinsames
Vorgehen  bestimmend  einzuwirken,  setzt  vor  allem  bei  den  Beteiligten
  eine  Meinung  über  die  Unzulänglichkeit  des
Unternehmergewinnes  voraus,  Da  dieser  sich  aus  der
Differenz  zweier  Faktoren,  nämlich  der  Herstellungskosten  und
des  Preises  der  Ware  zusammensetzt,  so  ist  es  lediglich  das
Wachsen  der  Herstellungskosten  und  das  Sinken  der  Warenpreise,
  die  als  Motive  der  Kartellierung  in  Betracht  kommen.

Es  ist  bekannt,  wie  diese  zwei  Faktoren  sich  am  Markt  betätigen.
  Eine  Erhöhung  der  Herstellungskosten  ruft  das  Bestreben
  wach,  die  Kostenerhöhung  durch  Preiserhöhung  auf  die
Nachfrage  abzuwälzen,  Ist  die  Ware  eine  sehr  notwendige  und
das  nachfragende  Publikum  ein  sehr  kaufkräftiges,  so  gelingt  dies
auch  ohne  Kartell;  sind  die  Käufer  selbst  Weiterverkäufer  oder
Produzenten,  so  ist  ein  Widerstand  schon  wahrscheinlicher.  Das
große  Publikum  reagiert  in  derselben  Weise,  wenn  es  in  der