$  7.  Übliche  Klassifikationen  der  Kartelle  und  Kritik  derselben.  61

Angebotspolitik),  die  Nachfrage  kontingentierende  Kartelle  (Kartelle
  zum  Zweck  gemeinsamer  Monopolisierungspolitik)  und  den
Gewinn  kontingentierende  Kartelle  (Kartelle  zum  Zweck  gemeinsamer
  Preispolitik).!)

Eine  ähnliche  Stufenleiter  der  Kartelle  stellt  Grunzel?)  auf,
bei  welcher  jede  einzelne  Stufe,  je  höher  sie  steht,  um  so  schwerer
zustande  kommt,  aber  auch  um  so  sicherer  auf  Erfolg  rechnen
kann.  Auf  der  niedersten  Stufe  stehen  die  Konditionskartelle;
dann  folgen  Preiskartelle,  beschränkende  Kartelle,  Rayonnierungskartelle,
  Kontingentierungen,  Absatzkartelle,  Ausfuhrkartelle.  Als
die  Nachfrage  regelnde  Kartelle  werden  Arbeits-  und  Einkaufskartelle
  erwähnt.

All  diese  Einteilungen  und  Gruppierungen  leiden  an  wesentlichen
  Fehlern;  die  Frage  ist  daher  noch  nicht  als  gelöst  zu
betrachten.  Allerdings  hängt  der  Wert  einer  Klassifizierung  davon
  ab,  ob  zunächst  logische  Vollkommenheit,  oder  die  Geltendmachung
  praktischer  Gesichtspunkte  erstrebt  wird.  Vom  ersten
Standpunkt  aus  kommt  alles  auf  die  Einheitlichkeit  und  logisch
richtige  Durchführung  der  ultima  differentia,  vom  zweiten  auf
die  praktisch  geschickte  Wahl  des  fundamentum  divisionis
an.  Menzels  obenerwähnte  Einteilung  ist  vom  logischen  Standpunkt
  aus  grundfalsch,  ebenso  diejenige  Pohles;  vom  Zweckmäßigkeitsstandpunkt
  ist  sie  aber  denjenigen  Schäffles  und
Liefmanns  vorzuziehen.  Letztere  entspricht  am  meisten  den
Anforderungen  der  Logik;  doch  wäre  sie  auch  von  diesem  (Gresichtspunkt
  aus  nur  nach  einigen  Berichtigungen  vollkommen  zu  nennen,
während  sie  vom  praktischen  Standpunkt  aus  an  dem  Grundfehler
  leidet,  daß  sie  Vereinigungen,  die  im  Leben  ganz  allgemein
als  Kartelle  gelten,  die  ihrem  Zweck  und  ihrer  Organisation  nach
alles  mit  den  Kartellen  gemein  haben,  und  die  in  der  Zukunft,
nach  kräftigerem  Durchdringen  der  Kartellidee,  möglicherweise
auch  eine  den  Angebotskartellen  gleichkommende  Mannigfaltigkeit
  der  Erscheinungsformen  entwickeln  werden,  —  nicht  zu  den
Kartellen  zählt.  Lediglich  wiederholt  sich  auch  bei  den  Vereinigungen
  der  Unternehmer  als  Subjekte  der  Nachfrage  derselbe
ökonomische  Zweck:  die  Erhöhung  oder  Festhaltung  des  Unternehmergewinnes,
  und  das  hierzu  verwendete  Mittel:  die  Verein-1)

  Die  Unternehmerverbände,  S.  41.
3)  Über  Kartelle,  Leipzig,  1902,  S.  37—38.