8  8.  Methoden  der  Kartellbildung.  65

ist,  um  bei  der  Grewinnausgleichung  den  möglichst  größten
Grewinnanteil  zu  erlangen.)  Die  Gewinnausgleichung  erfolgt
nach  Maßgabe  eines  angenommenen  Grundpreises  —  der  beiläufig
  den  Produktionskosten  entspricht  —  und  des  durch  die
Kartellvereinbarung  festgesetzten  Minimalverkaufspreises..  Die
Differenz  dieser  beiden  Größen  ist  der  zur  Aufteilung  bezw.
Abrechnung  gelangende  Gewinn.  Da  demnach  die  Gewinnausgleichung
  weder  auf  Grund  der  wirklichen  Herstellungskosten,
  noch  auf  Grund  des  wirklichen  Verkaufspreises  erfolgt,
so  bleibt  dem  einzelnen  Unternehmer  am  ganzen  Verlauf  der
Produktion  nur  das  zweifache  Interesse,  einerseits  die  wirklichen
Herstellungskosten  in  seinem  Geschäft  dem  angenommenen
Grundpreis  gegenüber  möglichst  zu  vermindern  und  andererseits
den  wirklichen  Verkaufspreis  möglichst  zu  erhöhen.  Damit  eine
relative  Minderung  der  Herstellungskosten  durch  Ausbreitung
der  Produktion  dem  einzelnen  Unternehmer  nichts  nütze,  wird
die  Gewinnausgleichung  nicht  auf  Grund  des  wirklichen  Absatzes
jedes  einzelnen,  sondern  nach  einem  im  vorhinein  festgestellten
Maßstab  durchgeführt.  Um  zu  verhindern,  daß  die  einzelnen
Unternehmer  ihre  Produktion  übermäßig  einschränken,  sind
mannigfache  Präventivmaßregeln  nötig.  Automatisch  wirkt  dem
übrigens  auch  der  angenommene  Grundpreis  entgegen,  denn  eine
wesentlichere  Einschränkung  der  Produktion  erhöht  meistens  die
relativen  Herstellungskosten  über  das  Maß  des  Grundpreises  und
bedeutet  daher  für  den  einzelnen  Unternehmer  einen  Verlust.
Das  Wesen  der  Pohleschen  zweiten  Kartellierungsmethode
besteht  darin,  daß  das  Kartell  den  Absatz  unter  seinen  Mitgliedern
  verteilt.  Das  einzelne  Mitglied  gerät  dadurch,  abgesehen
von  einem  immer  möglichen  Wettbewerb  eines  Outsiders,  auf
dem  ihm  zugeteilten  Gebiet  in  eine  monopolistische  Lage.  Diese
Kartellierungsmethode  ist  nur  bei  den  Angebotskartellen  praktisch
  erprobt;  sie  ist  aber  auch  für  Nachfragekartelle  nicht  ausgeschlossen.?)
  Die  Aufteilung  des  Kartellgebiets  erfolgt  gewöhnlich
  entweder  auf  Grund  der  Produktionsfähigkeit,  die  nach
einem  Durchschnitt  von  der  Produktion  mehrerer  verflossener
Jahre  festgestellt  wird,  oder  auf  Grund  der  Produktion  des  letzt-)

  Landesberger  a.a.0.
?)  Siehe  oben  S.  62.

Baumgarten-Meszl£ny.  5