92  III.  Kapitel.  Die  Kartell-  und  Trustbewegung.

hergestellten  Roheisens  findet  durch  eine  Verkaufsstelle  statt.
Die  bedeutsamsten  Unterschiede  in  der  Organisation  des  Rheinisch-Westfälischen
  Roheisensyndikats  und  des  Vereins  für  den  Verkauf
  von  Siegerläinder  Roheisen  bestehen  darin,  daß  das
erstere  den  Absatz  nach  dem  Auslande  seinen  Mitgliedern  freigegeben
  hat,  und  ferner,  daß  es  keine  Produktionseinschränkung
vorsieht.

Das  Lothringisch-Luxemburgische  Kontor  für  den
Verkauf  von  Roheisen  hat  derzeit  9  Mitglieder,  ist  ähnlich
organisiert;  die  Mitglieder  können  nur  durch  die  gemeinsamen
Kaufstellen  Geschäfte  abschließen.

Diese  3  bedeutendsten  Syndikate  haben  auch  untereinander
neue  Syndikate  gebildet;  so  entstand  das  „Roheisensyndikat
zu  Düsseldorf“,  welches  am  ı.  Januar  1904  die  beiden  früher
erwähnten  Syndikate  in  sich  aufnahm,  und  die  Thomas  Roheisenverkaufsstelle
  mit  38  Mitgliedern.  Zwischen  diesen
Syndikaten  und  deren  Kundschaften  hat  es  auch  an  Reibungen
nicht  gefehlt,  wobei  auch  der  Rechtsweg  beschritten  wurde.!)
Die  Gresamtbeteiligungsziffer  beim  Rheinisch-Westfälischen  Roheisensyndikat
  betrug  ı  125600  t;  davon  entfallen  auf  die  reinen
Hochofenwerke  665  600  t  und  auf  die  gemischten  Werke  460000  t.
Der  Versand  des  Roheisensyndikats  in  Düsseldorf  betrug  im
Jahre  1900  1098964  t.  (Gregenüber  der  Beteiligungsziffer  betrug
sonach  der  Minderversand  653756  t.  Die  Preise  der  Ausfuhr
betrugen  im  Jahre  1898  5,41  M.  durchschnittlich  pro  Meterzentner,
  im  Jahre  ı899  6,64  M.,  im  Jahre  ıgoo  7,91  M.,  im
Jahre  ıgoı  5,82  M.,  im  Jahre  1902  5,53  M.  Über  Erzeugung,
Verbrauch,  Export  und  Preise  des  Roheisens  geben  die  Tabellen,
die  den  kontradiktorischen  Verhandlungen  (Heft  5,  Seite  136
und  138)  vorgelegt  wurden,  Aufklärung.

Wie  aus  denselben  ersichtlich,  war  das  Düsseldorfer  Kartell
imstande,  die  Preise  hoch  zu  halten,  und  obzwar  die  Richtigkeit
  dieser  Daten  bemängelt  wurde  (siehe  Heft  5,  Seite  183),  so
läßt  sich  doch  feststellen,  daß  die  Exportpreise  bedeutend  niedriger
waren,  wogegen  insbesondere  Prof.  Wagner  (Heft  5,  Seite
189—  190)  gerechtfertigte  Bedenken  erhob.  Zweifellos  erleichtern
die  niedrigen  Exportpreise  die  Konkurrenz  der  weiter  arbeiten-1)

  Vergl.  weiter  unten,  Kapitel  V.