104  III.  Kapitel.  Die  Kartell-  und  Trustbewegung.

Verhandlungen  eine  Annäherung  der  Interessenten  zu  erzielen,
indem  der  folgende  Antrag  des  Professor  Adolf  Wach  einstimmig
  angenommen  wurde:

„Der  Börsenverein  Deutscher  Buchhändler  und  der  Akademische  Schutzverein
werden  eine  gemeinschaftliche  Kommission  einsetzen,  zu  welcher  von  beiden  Parteien
je  zı  Mitglieder  deputiert  werden.  Es  ist  bei  der  Zusammensetzung  dafür  zu  sorgen,
daß  die  verschiedenen  Interessentengruppen  vertreten  sind.  Die  Aufgabe  der  Kommission
  ist,  eine  Verständigung  dieser  Interessentengruppen  anzubahnen.  Den  Vorsitz
führt  Herr  Reichsgerichtsrat  Dr.  Spahn“  (Heft  7  S.  573).

L  Unter  den  Syndikaten  der  Glasindustrie  ist  der  Verband
der  Flaschenfabriken  mit  32  Mitgliedern  hervorzuheben;  der
Vertrag,  im  November  1904  abgeschlossen,  läuft  bis  Ende  1909.
Der  Verband  deutscher  Spiegelglas-Fabriken  ist  als  G.  m.
b.  H.  organisiert  (1894;  7  Mitglieder)  und  auf  dem  ganzen  Grebiet
des  deutschen  Zollvereins  tätig.

K.  In  der  Ziegelindustrie  entstehen  infolge  der  Höhe  der
Frachtkosten  zumeist  Lokalsyndikate,  welche  teilweise  in  strafferen
Organisationen,  teilweise  aber  auch  in  losen  Preiskonventionen
wirksam  sind.  Unter  den  fest  organisierten  Syndikaten  sind  zu
erwähnen  die  „Kölnische  Ziegelei-Syndikat  A.  G.“,  die
im  Jahre  1904  ı55  Millionen  Ziegel  produziert  und  ıı2  Millionen
verkauft  hat,  das  „Ziegelei-Syndikat  für  Hamburg  und
Umgegend  G.  m.  b.  H.“,  welches  im  Jahre  1904  bei  ı0°/,iger
Betriebsreduktion  338  Millionen  Ziegel  produziert  und  285  Millionen
  Ziegel  abgesetzt  hat,  und  das  „Rheinisch-Westfälische
Ziegel-Syndikat  G.  m.  b.  H.“,  das  in  ıo  Unterabteilungen
geteilt,  im  Jahre  ı904  trotz  50°/,  Betriebsreduktion  596  Millionen
Ziegel  verkaufen  konnte.  Die  Berliner  Ziegelvereinigung  hat
sich  neuerdings  aufgelöst.

L.  Bezüglich  Stein-  und  Erdwaren  ist  insbesondere  die
Konzentration  der  Zementindustrie  bemerkenswert.  Das  neueste
Zementkartell  ist  das  „Rheinisch-Westfälische  Zementsyndikat
  G.  m.  b.  H.“  (gegr.  1895;  24  Mitglieder)  und  die  Aktiengesellschaft
  „Nordwest-Mitteldeutsches  Portlandzementsyndikat“
  (gegr.  1900;  59  Mitglieder).  Die  Zementsyndikate
haben  auch  untereinander  Kartelle  abgeschlossen.  Mehrere  Syndikate
  sind  in  der  Kalk-,  Asphalt-,  Gips-  und  Marmorindustrie
entstanden.

M.  In  der  Tonwarenindustrie  sind  vier  Syndikate  tätig;
das  wichtigste  ist  die  „Vereinigung  deutscher  Porzellan-