108  III.  Kapitel.  Die  Kartell-  und  Trustbewegung.

in  dieses  sonst  abgeschlossene  Gebiet  einzudringen  trachteten:
so  sind  alle  jene  Quellen  erwähnt,  mit  deren  Hilfe  wir  die  Kartellund
  Trustbewegung  darzustellen  versuchen.

Eine  verläßliche  und  authentische  Kartellstatistik  kann  derzeit
noch  nicht  mitgeteilt  werden.  Eine  im  Jahre  1891  erschienene
Kartellstatistik  vonMandello  erwähnt  bloß  8  spezifisch  ungarische
Kartelle.  Grunzel  nimmt  50  österreichische  und  ungarische  Kartelle
  an.  Wir  glauben  nicht  zu  übertreiben,  wenn  wir  die  Zahl
der  heutigen  österreichischen  und  ungarischen  Kartelle  auf  100
setzen,  wovon  beiläufig  die  Hälfte  auf  ausschließlich  österreichische
Kartelle  entfällt,  was  auch  dem  industriellen  Übergewicht  dieses
Landes  entspricht.

Das  Eisenkartell

Die  Preisdepression  des  Jahres  1876  sowie  die  stets  heftigere
Konkurrenz  hat  den  Zusammenschluß  der  Beteiligten  zu  einer
zwingenden  Notwendigkeit  gemacht.  Das  am  ı5.  Dezember  1878
abgeschlossene  österreichische  Schienenkartell  war  auf  diesem
Gebiete  der  erste  Versuch.  Doch  schon  im  Jahre  1881  ist  das
Eisenkartell  zustande  gekommen,  und  zwar  in  der  Form,  daß  einerseits
  die  ungarischen,  andererseits  die  österreichischen  Eisenwerke
sich  kartellierten  und  diese  beiden  Kartelle  eine  Vereinbarung
abgeschlossen  haben,  nach  welcher  der  Absatz  der  Eisenproduktion
  des  gemeinsamen  Zollgebietes  nach  geographischer  Lage,
Produktionsfähigkeit  und  Hilfsmittel  der  Fabrikanten  geregelt
wurde.  Am  ı7.  Januar  ı8go  erhielt  das  gemeinsame  Kartell
eine  straffere  Organisation.  Das  Verhältnis  zwischen  österreichischen
  und  ungarischen  Produzenten  wurde  durch  periodisch
erneuerte  Vereinbarungen  geregelt,  deren  letzte  im  Jahre  1897
abgeschlossen  und  bis  zum  Jahre  1901  verlängert  wurde.  Dieselbe
  hat  zum  Grundprinzip,  daß  den  ungarischen  Fabriken  der
Absatz  in  Ungarn,  den  österreichischen  Fabriken  der  Absatz  in
Österreich  zukommt,  jedoch  bis  zu  135000  Meterzentner  der  Import
  von  Österreich  nach  Ungarn  und  bis  zu  115000  Meterzentner
der  Import  von  Ungarn  nach  Österreich  frei  bleibt.

Daß  diese  Vereinbarung  für  die  ungarische  Eisenindustrie
nur  günstige  Resultate  erzielt  hat,  beweist  der  Umstand,  daß  die
Produktion  vom  Jahre  1881  bis  ıg90ı  um  50°/,  gestiegen  ist  und
die  einzelnen  Werke  ihre  Lage  konsolidieren  und  ihre  Be-