112  OL  Kapitel.  Die  Kartell-  und  Trustbewegung.

Preise  des  Roheisens,  Gußeisens,  Stabeisens  und  Eisenträger.  Die
Bruttokosten  der  Produktion  ergeben  sich,  wenn  wir  von  dem
Preis  der  Fertigprodukte  die  zur  Erzeugung  derselben  Quantität
nötigen  Rohmaterialpreise  abziehen.  Diese  Differenz,  die  sogenannte
  Spannung,  zeigt  am  besten  das  Resultat  der  Kartelltätigkeit.


Das  Eisenkartell  vom  Jahre  1891  hat,  wie  ersichtlich,  binnen
einiger  Monate  die  Preise  bedeutend  gesteigert,  so  daß  die  Spannung
  19—20  Kronen  betrug.  Das  andere  Extrem  ist  in  der
Periode  des  Konkurrenzkampfes  1900—  1902  ersichtlich.

Neuerdings  wurde  der  Fortbestand  des  Kartells  dadurch
fraglich,  daß  die  Werke  des  Erzherzogs  Friedrich  durch  eine
Aktiengesellschaft  angekauft  wurden  und  sich  das  Gerücht  verbreitete,
  daß  dieselbe  die  Kündigung  des  Kartells  beantragen
wird.  Die  Friedrichswerke  hatten  im  Kartell  eine  Beteiligung  von
8%/,,  ihre  Produktion  an  Walzware  betrug  im  vergangenen  Jahre
450000  Meterzentner,  ihr  Besitz  umfaßte  ein  Areal  von  2545
Joch;  die  Anzahl  ihrer  Arbeiter  betrug  12000.  Die  Umwandlung
der  Teschener  Werke  in  die  österreichische  Berg-  und  Hüttenwerks-Aktiengesellschaft
  hatte  einen  Preissturz  sämtlicher  Eisenwerkaktien
  zur  Folge,  welcher  in  der  zweiten  Hälfte  Dezember  1905
sich  immer  mehr  akzentuiertte..e  Die  Befürchtungen  der  am
Kartell  interessierten  Kreise  haben  sich  jedoch  nicht  bewahrheitet.
In  der  am  ı7.  Januar  ı906  stattgefundenen  Plenarsitzung  verschiedener
  Verbände  des  Eisenkartells  erfolgte  keine  Kündigung
des  Kartells;  dasselbe  wurde  sogar  auf  weitere  5  Jahre  (bis  1917)
verlängert.  Bis  ı902  blieb  die  bisherige  Beteiligungsziffer  an  der
Produktion  unverändert  und  vom  Jahre  ıg9ı2  bis  1917  wurde  den
Friedrichswerken  eine  Plusquote  von  70000  Meterzentner  für
5  Jahre  zugesichert.

Das  Kupferdrahtkartell.

Das  Kupferdrahtkartell  entstand  im  Jahre  1890  aus  der
Vereinigung  von  fünf  großen  Fabriken,  von  denen  drei  in  Österreich,
  zwei  in  Ungarn  im  Betrieb  sind.  Außerhalb  des  Kartells
stehen  drei  Fabrikanten;  während  aber  die  kartellierten  Fabriken
eine  Produktionsfähigkeit  von  6000  Tonnen  besitzen  und  3000
Tonnen  fabrizierten,  haben  die  letzteren  im  Jahre  1903  bloß  300
Tonnen  produziert,  so  daß  das  Kartell  bei  den  jetzigen  Verhält-