116  II.  Kapitel.  Die  Kartell-  und  Trustbewegung.

günstigeren  Verhältnissen  produzierenden  Staaten  nur  zur  Weitergabe
  der  angehäuften  Bestände,  aber  nicht  zum  Gewinn  beitragen.
Im  Jahre  1904  blieben  infolge  der  ungünstigen  Getreide-  und
Zuckerrübenernte  viel  größere  Bestände  zurück  als  Ende  des  vorhergegangenen
  Jahres.  Die  Situation  hätte  sich  jedoch  noch  viel
ungünstiger  gestaltet,  wenn  die  Forcierung  des  Exportes  dem
Kartell  nicht  gelungen  wäre,  was  zur  Folge  hatte,  daß  wenigstens
  ı0°/,  der  Produktion  placiert  werden  konnten.  Wenn  wir
noch  in  Betracht  ziehen,  daß  die  durchschnittlichen  Betriebseinschränkungen
  ı5°/,  der  normalen  Produktion  und  die  Anhäufung
  der  Vorräte  5°/,  derselben  betrugen,  so  ist  ersichtlich,
daß  zirka  70°/,  der  Fabrikate  für  den  inländischen  Konsum  verblieben.
  Mit  Rücksicht  auf  diese  ungünstige  Lage  beschlossen
die  Jutefabriken,  den  Betrieb  bis  Ende  September  1905  um  25°/,
zu  reduzieren.

Die  Preise  der  Jutefabrikate  konnten  keineswegs  im  Verhältnisse
  der  durch  die  Betriebsreduktion  entstandenen  erhöhten
Fabrikationskosten  und  des  hohen  Preises  des  Rohmaterials  erhöht
werden,  weil  dies  zufolge  der  starken  Konkurrenz  Deutschlands
mit  ihrer  Überproduktion  und  starkem  Angebot  unmöglich  wurde.

Das  Jutekartell  mußte  sich  daher  angesichts  der  mächtigen
Konsumenten  und  der  starken  ausländischen  Konkurrenz  damit
zufrieden  geben,  seine  kritische  Lage  zu  erleichtern,  ohne  die
Aufschraubung  der  Preise  oder  eine  Höhertreibung  des  Gewinnes
auch  nur  versuchen  zu  können.

Das  Zuckerkartell  und  dessen  Auflösung.

Das  erste  Zuckerkartell  ist  am  ı.  Oktober  1891  abgeschlossen
worden  und  konnte  sich  nach  zweimaliger  Verlängerung  bis
ı.  Oktober  1894  erhalten.  Das  Grundprinzip  dieses  Kartells  war,
daß  es  den  Absatz  Österreich-Ungarns  auf  2300000  Meterzentner
bestimmte,  denselben  unter  die  Kartellmitglieder  austeilte,  den
ausländischen  Export  jedoch  frei  ließ.  Die  Kampagne  1894/95
zeigte  nur  allzu  rasch,  daß  die  Zuckerpreise  ohne  Kartell  nicht
zu  halten  waren;  so  notierte  Rohzucker,  welcher  Ende  1893  auf
34,86  Kr.  gestanden,  Ende  des  Jahres  1894  mit  23,34  Kr.;  Zuckerraffinade
  mit  Abzug  der  Steuer  sank  von  54  Kr.  auf  36,50,  so
daß  die  sogenannte  Spannung  von  20  Kr.  auf  8  Kr.  zurückging.