$  13.  Österreichisch-ungarische  Kartelle.  123

Dieses  Kartell  trachtete  die  Überschreitung  des  Kontingents  in
der  Weise  hintanzuhalten,  daß  den  exportberechtigten  Fabriken
Prämien  bis  zu  4  Kronen  gesichert  wurden,  die  aus  dem  Beitragsfonds
  sämtlicher  kartellierter  Fabriken  geleistet  wurden.

Die  nicht  kartellierten  sechs  Fabriken  produzierten  insgesamt
180000  Meterzentner.

Ende  April  ıg901ı  löste  sich  das  Kartell  infolge  der  unerwarteten
  Steigerung  der  galizischen  Rohölproduktion  und  der
Gründung  neuer  Fabriken  auf.  Der  Preis  des  Petroleums,  der
früher  zwischen  35—45  Kronen  schwankte,  sank  bis  April  1902
—  also  während  eines  Jahres  —  auf  30  Kronen,  der  jedoch  auf
die  Nachricht  eines  neuen  Kartellabschlusses  plötzlich  wieder  stieg.
Das  Scheitern  der  Verhandlung  hatte  sodann  einen  neuen  Preissturz
  zur  Folge.

Am  ı.  November  ı903  kam  schließlich  das  Kartell  der  österreichischen
  und  ungarischen  Raffinerien  zustande,  an  welchem
32  größere  und  62  kleinere  Fabriken  partizipierten.  Dieses  Kartell
ist  ein  produktionskontingentierendes  und  preisfixierendes  Kartell,
insofern  die  Plenarversammlung  der  Kartellmitglieder  die  Quantität
und  den  Preis  des  der  Besteuerung  unterliegenden  Petroleums
monatlich  feststellt  (liberiert).,.  Gleichzeitig  traf  das  Kartell  mit
der  am  ı3.  Juli  1903  in  Österreich  gebildeten  Aktiengesellschaft
„Petrolea“  bezüglich  der  Beschaffung  von  Rohmaterial  eine
für  seine  Mitglieder  bindende  Vereinbarung.

Die  Petrolea  vereinigt  85  °/,  der  galizischen  Rohölproduktion
und  wurde  gegründet,  um  den  Preis  des  Rohöls  durch  Einlagerung
  der  Vorräte  vor  großen  Preisverlusten  zu  bewahren.
Die  Raffineure  hatten  nämlich  besonders  nach  Auflösung  des
Kartells  den  Preis  des  Rohöls  —  das  große  Angebot  ausnutzend
—  herabgedrückt,  um  ihren  bisherigen  Gewinn  aufrecht  zu  erhalten.
  So  fiel  der  Preis  des  Rohöls,  der  im  Jahre  ı901  auf
7  Kronen  stieg,  im  Jahre  1902  bereits  auf  1,30  Kronen.

Die  Petrolea  setzte  nun  einen  Preis  von  4  Kronen  als
Minimalgrenze  der  inländischen  Verwertung  fest  und  war,  wie  das
Jahr  1903  bewies,  tatsächlich  imstande,  die  Überproduktion  dieses
Jahres  einzulagern.

Das  Kartell  der  Raffineure  schloß  mit  der  Petrolea  einen
Vertrag  ab,  laut  welchem  sich  der  Preis  des  Rohöls  nach  einer
im  voraus  festgesetzten  Skala  dem  Preise  des  raffinierten  Öls