8  ı2.  Österreichisch-ungarische  Kartelle.  125

Rohmaterialbedarfes  beinahe  ausschließlich  auf  die  galizischen
Quellen  angewiesen  ist  und  daher  die  Konkurrenz  mit  den  österreichischen
  und  besonders  galizischen  Raffinerien,  mit  der  Transportspesendifferenz
  belastet,  aufnehmen  muß.  Der  große  Kartellgewinn
  bot  jedoch  für  diesen  Nachteil  reichliche  Entschädigung.
Die  Daten  der  Import-  und  Exportstatistik  bieten  ein  klares
Bild  der  Situation.
Der  Import  gestaltete  sich  in  den  letzten  Jahren  folgendermaßen:

Im  Jahre  aus  Österreich  aus  Rumänien  aus  Rußland

Meterzentner  Meterzentner  Meterzentner

1898  735  000  233  400  145355
1899  796  798  195865  97  470
1900  836625  185  231  —

1901  1054  987  IQ1  141  24  168
1902  1210032  223625  32040
1903  1742855  224  500  10  218
1904  1679840  225  585  —

Diese  Ziffern  beweisen  daher,  in  welcher  abhängigen  Lage
sich  die  ungarische  Petroleumraffinerie  gegenüber  der  österreichischen
  (galizischen)  Rohölproduktion  befindet.  Die  ungarischen
Fabriken  zahlten  im  Jahre  1902  3751000  Kronen,  im  Jahre  1903
5,75  Millionen  Kronen  für  österreichisches  R.ohdl.

Die  Preisgestaltung  des  Petroleums  wird  in  der  nachstehenden
graphischen  Tabelle  (Tafel  III  auf  S.  126)  klar  veranschaulicht.  Die
als  Basis  dienenden  Daten  sind  beim  Rohöl  die  Boryslawer,  beim  raffinierten
  Öl  die  Budapester  Preise,  die  Differenz  zwischen  denselben  ist
der  Bruttogewinn  der  Raffinerie,  von  dem  die  Steuer  (13  Kronen),
der  Faßwert  (5  Kronen)  und  die  Fabrikationskosten  abgezogen
werden  müssen.  Die  preissteigernde  Wirkung  des  Kartells  ist
eine  offenbare;  in  den  kartellfreien  Jahren  fallen  beide  Linien  mit
ıo  resp.  ı2  Kronen,  mit  Abschluß  des  Kartells  aber  steigen  sie
wieder  zur  Höhe  der  früheren  Kartellpreise.

Das  Petroleumkartell  zeigt  ferner  auch  die  Wirkung  der
Konkurrenz  der  außerhalb  des  Kartells  stehenden  Fabriken.  Bei
jeder  Erneuerung  der  Kartellvereinbarung  ist  es  gezwungen,
neue  Unternehmungen  aufzunehmen;  die  Zahl  seiner  Mitglieder
hat  sich  auf  diese  Weise  innerhalb  ı2  Jahre  von  54  auf  94
erhöht.