8  ı3.  Kartelle  in  Ungarn.  137

Produktion  zeitweilig  Vereinbarungen  abmachten  und  die  Verkaufsbedingungen
  einheitlich  gestalteten.

Die  erste  Betriebsreduktion  wurde  in  der  am  ı7.  April  1887
abgehaltenen  Mühlenversammlung  beschlossen.  An  zwingenden
Gründen  fehlte  es  nicht;  infolge  der  Verminderung  der  Rentabilität
der  Mühlenindustrie  und  der  ausländischen  Agrarzölle  hatte  der
Export  mit  immer  größeren  Schwierigkeiten  zu  kämpfen.  Die
Betriebsreduktion  begann  am  ı.  Mai  1887;  infolge  der  guten  Ernte
sind  jedoch  die  Weizenpreise  gefallen,  so  daß  die  kartellierten
Mühlen  am  ı.  September  mit  voller  Kraft  die  Arbeit  aufnahmen,
und  das  Jahr  1888  verlief  unter  günstigen  Geschäftsverhältnissen
ohne  Kartellabschluß.

Im  Jahre  ı889  hatten  sich  die  Mehlvorräte  infolge  der  reichen
Ernte  der  beiden  vorhergegangenen  Jahre  angehäuft,  während
die  Preise  nach  der  schlechten  Ernte  des  Jahres  1889  stiegen;
das  machte  eine  neue  Bestriebseinschränkung  notwendig,  welche
vom  ı.  September  ı889  bis  Ende  August  1890  andauerte.

Die  vorzügliche  Ernte  des  Jahres  ı890,  die  den  Weizenpreis
wesentlich  herabdrückte,  erhöhte  in  Verbindung  mit  der  vorhergehenden
  Betriebsreduktion  die  Rentabilität  der  Mühlenindustrie
in  bedeutendem  Maße.

Vom  Jahre  1891  an  steigerte  sich  die  Mahlfähigkeit  der  Budapester
  Mühlen  infolge  der  Besserung  ihrer  technischen  Einrichtung
wesentlich  und  konstant.  Der  ungarische  Mehlexport  hob  sich
ständig,  bis  im  Jahre  1897  die  Reaktion  eintrat.  Die  mit  den
ungarischen  Staatsbahnen  getroffene  Vereinbarung  der  Mühlen
hinsichtlich  der  Dirigierung  des  zollausländischen  überseeischen
Mehlexports  über  Fiume  enthielt  Verfügungen,  die  eine  im
gemeinsamen  Einvernehmen  vereinbarte  Betriebseinstellung  unmöglich
  machten.  Die  überaus  schlechte  Ernte  des  Jahres  1897
(22650000  Meterzentner  gegen  41271000  Meterzentner  des  Vorjahres)
  und  der  Vollbetrieb  der  Mühlen  führten  zu  einer  Krise.
In  der  Beratung  vom  25.  Oktober  ı897  haben  sowohl  die
hauptstädtischen  wie  die  Provinzmühlen  eine  Betriebsreduktion

kräften,  2ı  Wassermühlen  mit  448  Pferdekräften.  Der  Kohlenkonsum  betrug
2796900  Meterzentner,  die  Weizenmehlproduktion  10546900  Meterzentner.  Der
Wert  der  Gesamtproduktion  belief  sich  auf  359453000  Kronen.  Die  Zahl  der
Handlungsangestellten  war  902,  die  der  industriellen  188,  der  Arbeitsleiter  179,  der
Arbeiter  und  Taglöhner  8447,  zusammen  10374.