162  III.  Kapitel.  Die  Kartell-  und  Trustbewegung.

schaft  aber  wurden  Prioritätsobligationen  in  der  Höhe  von  304
Millionen  emittiert.

Der  Trust  nahm  ı3  Unternehmungen  in  sich  auf.  Die  Zahl
seiner  Arbeiter  wird  auf  !/,  Million  geschätzt.

So  bildete  sich  durch  Vermittlung  J.  P.Morgans  der  Stahltrust,
  der  sämtliche  bisher  entstandenen  Industrieunternehmungen
und  Kartelle  in  seinen  Dimensionen  übertraf.  Zur  Veranschaulichung
  der  Größe  des  in  demselben  enthaltenen  Vermögens  berufen
  sich  die  Amerikaner  darauf,  daß  diese  Summe  den  zehnten
Teil  der  Industrie  der  Vereinigten  Staaten  und  !/,,,  der  Industrie
der  ganzen  Welt  repräsentiert,  und  daß  dieselbe  dem  Werte  des
seit  der  Entdeckung  Amerikas  in  sämtlichen  Bergwerken  der  Welt
gefundenen  Goldes  und  Silbers  gleichkommt.

Der  Gründungsnutzen  der  Firma  Morgan  kann  nur  mittelbar
geschätzt  werden,  da  sie  im  Sinne  des  Kontraktes  Aktien  im
Werte  von  106800000  Dollar  gegen  eine  Barzahlung  von  26
Millionen  übernahm.  Der  Anfangskurs  der  Stammaktiennotierung
betrug  487/,%/,,  so  daß  die  finanzierende  Firma  im  Falle  der
Realisierung  der  Papiere  um  diesen  Preis  einen  reinen  Nutzen
von  52  Millionen  Dollar  erzielt  hätte  —  ohne  Zweifel  der  größte
Gewinn,  der  im  Wege  der  Gründung  je  erreicht  wurde.

Zweifellos  ist  aber  auch,  daß  dieses  riesenhafte  Kapital  den
realen  Wert  der  verschmolzenen  Fabriken  bedeutend  überstieg.
Am  besten  erging  es  der  Carnegie-Gesellschaft,  die  ihre  vorteilhafte
  Position  auch  beim  Verkauf  ihres  Betriebes  auszunützen
wußte.

C.  Schwaab,  der  Präsident  der  United  States  Steel  Corporation,
  erblickte  in  der  Konstituierung  der  Gesellschaft  einen  großen
Vorteil  der  Industrie  und  der  Produktion,  insofern  die  mit  allen
Stadien  der  ganzen  Stahlindustrie  sich  beschäftigenden  Fabriken
in  eine  Einheit  zusammenschmolzen.

Dem  gegenüber  hegte  Carnegie  bezüglich  der  Zukunft  des
Steel  Trust  keine  kühnen  Hoffnungen  und  indem  er  sich  damit
zufrieden  gab,  sein  eigenes  Unternehmen  mit  einem  riesenhaften
  Gewinn  verkauft  zu  haben  und  sich  seinen  Rücktritt  von
der  Konkurrenz  teuer  bezahlen  zu  lassen,  zog  er  sich  von
der  weiteren  Beteiligung  am  Schicksal  des  Trusts  zurück:
„Ich  war,  sagte  er,  ein  Stahlfabrikant,  aber  kein  Wertpapierfabrikant.“
