184  IL  Kapitel.  Die  Kartell-  und  Trustbewegung.

einen  immer  größeren  Marktkreis.  So  schloß  sie  mit  mehreren
Schießpulverfabriken  wie  der  Rottweiler  Pulverfabrik  Rottweil-Hamburg,
  den  Kölner  Vereinigten  Rheinisch-westfälischen  Pulverfabriken,
  der  Rohrschacher  Firma  Kramer  &amp;  Buchholz,  der  Walsroder
  Firma  Wolf  &amp;  Co.  im  Jahre  1899  Kartellverträge  mit  Gültigkeit
  bis  zum  Jahre  ı905  ab.

Mit  dem  Dynamittrust  stehen  folgende  Gesellschaften  in  Verbindung:
  die  Rheinisch-westfälische  Sprengstoff  A.-G.  in  Köln
mit  4000000  Mk.,  die  Sprengstoff  A.-G.  Cosmos  in  Hamburg  mit
1200000  Mk.  und  die  Erzgebirgische  Dynamitfabrik  A.-G.  in
Geyer  mit  1000000  Aktienkapital.  Alle  diese  Fabriken  sind
scheinbar  unabhängig,  aber  der  größte  Teil  ihrer  Aktien  sind  in
den  Händen  der  Zentralgesellschaft,  ja  die  durch  gemeinsame  Interessen
  verknüpften  Gesellschaften  legen  den  Gewinn  zusammen
‚und  teilen  denselben  im  Sinne  gewisser  besonderer  Vereinbarungen
unter  sich  auf.  Die  Dynamit-Gesellschaft  Nobel  besitzt  auch  in
Ungarn  (Pozsony)  eine  Fabrikniederlassung.

Das  internationale  Knochenkartell  ist  wie  das  Boraxkartell
  ebenfalls  ein  Kartell  für  die  Beschaffung  von  Rohmaterial,
Knochen  sind  das  Rohmaterial  der  Leim-  und  Spodiumfabrikation,
  und  das  Kartell  wollte  hauptsächlich  der  Ausfuhr  des
Rohmaterials  und  einer  hierdurch  entstehenden  Hemmung  in  der
Herstellung  dieser  Fabrikate  begegnen.

Von  Interesse  ist  noch  bei  diesem  Kartell,  daß  die  deutschen
Fabrikanten  mit  den  dänischen  und  schwedischen,  die  österreichischen
  und  ungarischen  Fabrikanten  aber  mit  den  italienischen
im  Kartell  stehen,  und  daß  daher  infolge  des  deutschen,  österreichischen
  und  ungarischen  Kartells  die  Industrien  aller  sechs
Staaten  ein  gemeinschaftliches  Vorgehen  befolgen,  obgleich  keine
unmittelbare  Kartellverbindung  zwischen  sämtlichen  Interessenten
abgeschlossen  wurde.

Das  Glühlampen-Kartell  wurde  von  den  wichtigsten  deutschen,
  österreichischen,  ungarischen,  holländischen  und  Schweizer
Fabriken  im  Jahre  1903  auf  ıo  Jahre  geschlossen,  aber  auf  Kündigung
  von  drei  Viertel  der  zum  Kartell  gehörenden  Unternehmungen
  kann  es  auch  früher  gelöst  werden.  Die  Verkaufsstation
  des  Kartells  ist  eine  in  Berlin  gebildete  Gesellschaft
mit  beschränkter  Haftung  (Verkaufsstelle  vereinigter  Glühlampenfabriken
  G.  m.  b.  H.)  mit  ı  Million  Mk.  Aktienkapital.