188  IV.  Kapitel.  Wirkungen  der  Kartelle  und  Trusts.

Für  die  Beurteilung  der  Kartellbewegung  ist  selbstredend
die  vor-  oder  nachteilige  Wirkung  maßgebend,  die  sie  auf  den
wirtschaftlichen  und  ethischen  Zustand  unserer  Gesellschaft  ausübt.
Kartelle  und  Trusts,  aus  dem  modernen  Verkehr  entsprungen,  Angebot
  und  Nachfrage,  Weltmarkt  und  Preisschwankungen  voraussetzend,
  wirken  naturgemäß  zu  allererst  auf  den  Verkehr  selbst
zurück,  auf  die  Preisbildung  und  Preisschwankungen,  auf  die  Subjekte
  des  Angebots  und  der  Nachfrage.  Diese  Wirkungen  müssen
zuerst  einzeln  für  sich  betrachtet  werden;  nur  wenn  sie  und  ihre
Wechselwirkungen  klar  gelegt  sind,  kann  ein  richtiger  Schluß
auf  den  sozialen  Wert  der  ganzen  Bewegung  gezogen  werden.

$  ıg.  Die  Wirkung  der  Kartelle  und  Trusts  auf  die  Produktion.

Die  Wirkung  der  Kartellbewegung  auf  die  Produktion  ist
verschieden,  je  nachdem  die  Produktion  selbst  oder  ihre  Subjekte
in  Betracht  gezogen  werden.  Beide  werden  ungemein  verschieden
beurteilt.  Was  den  ersten  Gesichtspunkt  betrifft,  so  rühmen  es
Kartellfreunde  als  besondere  Vorteile  der  Kartelle,  daß  sie  die
Vervollkommnung  der  Produktionstechnik  fördern,  die  Produktionskosten
  vermindern,  die  Qualität  der  Produkte  verbessern.  Die
Gegenpartei  wieder  betont,  das  Kartell  schädige  die  Selbständigkeit
  des  Unternehmers  und  lege  den  kräftigsten  Hebel  der  Vervollkommnung
  der  Produktion,  nämlich  das  Bewußtsein  lahm,  daß
der  Unternehmer  ausschließlich  auf  seine  eigene  Kraft  angewiesen
sei,  und  daß  jede  Verbesserung  seiner  Produktion  ausschließlich
ihm  zugute  komme;  der  freie  Wettbewerb  garantiere  das  äußerste
Anspannen  der  individuellen  Fähigkeiten,  während  eine  Beschränkung
  oder  Beseitigung  desselben  gerade  diese  wertvollste  Kraftentfaltung
  als  zwecklos  erscheinen  lasse.  All  diese  Argumente
können  mit  einer  Fülle  von  Beispielen  bekräftigt  werden.  Die
Beispiele  sind  treffend,  beide  Teile  haben  recht.  Doch  es  muß
unterschieden  werden:  nicht  alle  Kartelle  üben  all  diese  Wirkungen
aus  und  nicht  in  gleichem  Maße.  Und  diese  Unterscheidung  soll
zunächst  durchgeführt  werden.

Wir  sahen  (S.  63,  68),  daß  die  Preis-  und  Konditionenkartelle
den  Wettbewerb  selbst  überhaupt  nicht  einschränken,  sondern  bloß
dessen  Folgen  zu  beseitigen  suchen.  Diese  Kartelle  sind  demnach  vom
Standpunkt  der  Produktion  einfach  indifferent.  Es  kann  höchstens