8  19.  Die  Wirkung  der  Kartelle  und  Trusts  auf  die  Produktion.  195

Bankkapital  von  108  Millionen,  ein  Depot  von  474  Millionen  und
ein  Anleihekapital  von  323  Millionen  Dollar.  Diese  Gruppe  mit
der  Morganschen  Firma  zusammen  verfügt  beinahe  über  die
Hälfte  des  Bankkapitals  von  New-York.

Wie  das  Trustsystem  in  Amerika,  so  ist  auch  das  Kartellsystem
  in  Europa  vom  Standpunkt  der  Vervollkommnung  der
Produktion  dem  Zustand  des  freien  Wettbewerbs  in  manchen
Punkten  überlegen.  Landesberger  hat  diese  Momente  in  seinem
Referat!)  vortrefflich  geschildert,  und  es  kann  hier  daher  einfach
auf  ihn  verwiesen  werden.  Allerdings  darf  man  sich  dem  nicht
verschließen,  daß  für  den  Unternehmer  in  der  heutigen  Wirtschaftsordnung
  nicht  die  größere  Produktivität,  sondern  die  größere
Rentabilität  allein  ausschlaggebend  ist,  und  daß  dies  letztere  Motiv
vielleicht  kräftiger  bei  dem  nicht  kartellierten  als  bei  dem  kartellierten
  Unternehmer  wirksam  ist.  Zu  weit  geht  aber  wieder  in
seinen  Folgerungen  hieraus  Pohle?),  wenn  er  meint,  die  Kartellbewegung
  habe  von  diesem  Gesichtspunkt  nichts  vor  dem  freien
Wettbewerb  voraus.  Und  ebenso  ist  auch  das  Bedenken  unbegründet,
  das  Kartell  erhalte  eben  die  technisch  unvollkommenen
Werke  künstlich  am  Leben.

Was  nämlich  den  Einwand  Pohles  betrifft,  so  sahen  wir,
wie  kräftige  Motive  auch  bei  den  am  strengsten  organisierten
Kartellen  für  die  Vervollkommnung  der  Technik  bestehen  bleiben,
und  daß  das  Kartell  mit  einheitlichster  Organisation,  der  Trust,
geradezu  zum  Bannerträger  des  technischen  Fortschritts  wurde.
Wir  sahen  auch  andererseits,  wie  bei  den  loseren  Kartellen  das
individuelle  Interesse  des  einzelnen  Unternehmers  wach  gehalten
wird,  besonders  betrefis  der  Minderung  der  Produktionskosten,
was  hauptsächlich  eben  durch  Einführung  von  technischen  Meliorationen
  zu  erreichen  ist.  Die  Hauptsache  ist  aber  das  Psychologische
  der  Frage:  entweder  lebt  in  den  Verbandsmitgliedern
das  kräftige  Bewußtsein  der  Gremeinschaftlichkeit  der  Interessen,
und  dann  wird  jeder  gern  die  Verbesserungen  der  Produktionstechnik
  seinen  Genossen  zur  Verfügung  stellen  und  dadurch  den
technischen  Fortschritt  des  ganzen  Industriezweiges  fördern;  oder
aber  herrscht  Eifersucht  und  Angst  vor  künftiger  Konkurrenz

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