202  IV.  Kapitel.  Wirkungen  der  Kartelle  und  Trusts.

größeren  Kapitalbesitz,  bessere  Maschinen,  vielseitigere  Kenntnisse,
Beherrschung  und  Überblick  der  Marktverhältnisse  erheischt.
All  das  ist  höchst  erfreulich  und  solche  Fusionen  sind  beneidenswerte
  Symptome  einer  entwicklungsfähigen  und  im  Fortschritt
begriffenen  Industrie.  Anders  z.B.  in  Ungarn,  wo  die  schwächliche
  und  vom  Staat  zu  Tode  protegierte  Industrie  eine  beinahe
krankhafte  Neigung  zu  Fusionierungen  aufweist.  Hier  wären
also  eventuell  Maßregeln  am  Platze,  um  Bestrebungen  der  Kartelle,
  die  auf  die  Unmöglichmachung  der  Outsiderkonkurrenz  oder
auf  das  Verhindern  des  Zustandekommens  einer  solchen  gerichtet
sind,  zu  begegnen.

Die  mäßigende  Wirkung  der  Outsiderkonkurrenz  ist  übrigens
im  allgemeinen  in  dem  Maße  illusorisch,  in  welchem  es  den  Kartellen
  möglich  ist,  dieselbe  —  sei  es  durch  Gegenkonkurrenz,  sei
es  durch  Ankauf,  Einschmelzung,  Aufnahme  in  das  Kartell  usw.
—  zu  beseitigen.  Und  dies  gelingt  den  Trusts  ungleich  leichter
als  den  europäischen  Kartellen.  Wenn  letztere  mit  Erfolg  operieren,
  so  können  sie  einer  baldigen  Konkurrenz  sicher  sein:  entsteht
  keine  solche  von  außen,  so  erwacht  sie  innerhalb  der  Kartelle
  selbst.  Der  Trust  aber  kennt  kein  anderes  Interesse  als
das  eigene,  spart  weder  Kosten,  Mühe,  Geschäftskniffe,  noch
politische  Beeinflussung,  um  seinen  Gegner  zugrunde  zu  richten.
Die  Geschichte  der  Trusts  liefert  interessante  Beispiele  dafür,  wie
sie  es  zuwege  bringen,  die  Konkurrenten  wenigstens  zur  Einschmelzung
  zu  zwingen.

Im  Jahre  1899,  als  Carnegie  sich  zum  erstenmal  erbötig
machte,  sich  ins  Privatleben  zurückzuziehen,  stand  mit  der  Carnegie
Steel  Company  einerseits  die  Morgansche  Federal  Steel  Company,
andrerseits  die  Mooresche  National  Steel  Company  in  unmittelbarer
  Konkurrenz.  Derselben  standen  noch  andere  Riesenunternehmungen,
  die  Rohmaterial  und  Halbzeug  herstellten,  gegenüber.
Alle  diese  Concerns  bildeten  eine  so  enge  Vereinigung,  daß  sie
den  Markt  der  Carnegie  Steel  Company  ernstlich  bedrohten.
Zur  Selbstverteidigung  bemächtigte  sich  Carnegie  1899  des  Verkehrs
  auf  den  großen  Seen  und  sicherte  sich  dadurch  den  Vorrat
  an  Rohmaterial.  Die  nächsten  Jahre  benützte  er,  um  eine
Reihe  der  riesenhaftesten  und  vollkommensten  Werke  einzurichten,
die  das  Rohmaterial  durch  alle  Stadien  hindurch  verarbeiteten,
und  verfügte  damals  schon  über  die  best  geführten  und  ausge-