$  21.  Die  Wirkung  der  Kartelle  und  Trusts  auf  die  Stellung  der  Arbeiter.  z11ı

dies  einerseits  mit  dereinheitlichen  Organisation  der  Arbeiter,  andererseits
  mit  dem  geschäftlichen  Aufschwung  und  der  monopolistischen
Stellung  der  Trusts  zusammen.  Und  das  Maß  der  Lohnerhöhung
steht  noch  immer  in  gar  keinem  Verhältnis  mit  den  erhöhten  Einkünften
  der  Trusts:  der  Standard  Oil  Trust  zahlt  40°/,  Dividenden,
hat  aber  die  Löhne  um  bloß  ı0°/,  erhöht.  Ferner  muß  bei  Beurteilung
  des  wirklichen  Werts  der  Lohnerhöhungen  auch  die
Verteuerung  des  Lebens  in  Betracht  gezogen  werden,  die  gleichbedeutend
  ist  mit  der  Verminderung  der  Kaufkraft  des  Geldes;
und  hierüber  wird  oft  und  viel  in  den  Vereinigten  Staaten  geklagt.

Übrigens  verschlechtert  die  Kartellierung  überhaupt  nicht
unbedingt  die  Lage  des  Arbeiters.  Die  zügellose  Konkurrenz
geht,  wie  hierauf  auch  Steinmann-Bucher!)  richtig  hingewiesen,
nicht  nur  zu  Lasten  des  Unternehmers,  sondern  auch  des  Arbeiters
vor  sich;  sie  vermindert  auch  den  Arbeitslohn,  und  beraubt  die
Arbeiterschaft  einer  Menge  ihrer  Wohlfahrt  dienenden,  aber  von
seiten  des  Arbeitgebers  große  Opfer  fordernden  Einrichtungen.
Die  durch  die  Kartellierung  hervorgerufene  Preissteigerung  aber
kommt  teilweise  auch  dem  Arbeiter  zugute.  In  der  Eisenindustrie
stiegen  die  Löhne  1886—1904  von  2,71  Mk.  auf  4,69  per  Tonne?),
unstreitig  infolge  der  Entstehung  von  Syndikaten.  All  das  Gesagte
  tritt  auch  bei  den  Forschungen  über  das  deutsche  Kohlensyndikat
  hervor,  die  ergeben  haben,  daß  die  Syndizierung  im
allgemeinen  eine  Lohnerhöhung  zur  Folge  hatte,  und  zwar  eine
stärkere  Erhöhung  als  zur  selben  Zeit  bei  den  nicht  syndizierten
Gruben  eintrat.  Allerdings  ist  auch  hier  festzustellen,  daß  die
Lohnerhöhung  nicht  im  Verhältnis  mit  der  erhöhten  Rentabilität
der  Unternehmung  stand.)

Aus  der  Menge  der  Daten  greifen  wir  folgende  als  charakteristischste
  heraus:

Die  Löhne  befinden  sich  zwischen  1862—  1900  ständig  in  aufsteigender
  Bewegung;  im  Ruhrrevier  und  in  Oberschlesien  fallen
sie  I900—ı902  und  steigen  wieder  1903;  im  Saarrevier  bleiben

1)  Wesen  und  Bedeutung  der  gewerblichen  Kartelle,  in  Schmollers  Jahrbuch,
15.  Jahrgang,  S.  503  fl.

?)  So  Engel  in  der  Generalversammlung  des  Vereins  für  Sozialpolitik,  Mannheim,
  1905.

#,  Vergl.  hierzu  und  zum  folgenden  Goetzke  a.  a.  O.  S.  133—165;  Bueck
und  Leidig,  Der  Ausstand  der  Bergarbeiter  im  Ruhrkohlenrevier  usw.,  Berlin  1905;
Kontradiktorische  Verhandlungen,  Heft  I  S.  246,  Heft  X  S.  446,  593.

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