212  IV.  Kapitel.  Wirkungen  der  Kartelle  und  Trusts.

sie  annähernd  gleich.  Die  oberschlesischen  Löhne  sind  ständig
niedriger  als  die  andern  zwei.  Von  1896  an  bleibt  auch  das  Saarbecken
  hinter  dem  Ruhrrevier  zurück  und  nähert  sich  ihm  erst
1902  wieder.  Im  ganzen  ist  also,  1892  ausgenommen,  der  Lohn
des  Ruhrarbeiters  der  höchste.  Ja,  der  Unterschied  wächst  ständig
bis  1900,  d.h.  der  Arbeiter  nahm  ständig  am  heranwachsenden  Gewinn
  des  Kohlensyndikats  teil.  Das  Wachstum  des  Arbeitslohnes
in  Oberschlesien  betrug  1893—  1900  32,66°/,,  an  der  Ruhr  40,8°/,.
Hingegen  wuchs  während  derselben  Zeit  der  Lohn  an  der  Saar
(nicht  syndizierte  Gruben)  bloß  mit  12,86°/,.  Die  Zechendirektion
Gelsenkirchen,  die  zum  Syndikat  gehört,  wies  für  den  bezeichneten
  Zeitraum  ein  Gewinnwachstum  von  27°/,  und  eine  Lohnerhöhung
  von  26°/,  aus.  Infolge  des  Rückgangs  von  1901—1902
fielen  die  Löhne  des  Kohlensyndikats  in  größerem  Maße  als  die
in  Oberschlesien  und  an  der  Saar,  ja  letztere  erholten  sich  wieder
nach  einem  kurzen  und  geringen  Rückfall.  Mit  der  Besserung
der  Marktlagein  1903  sind  aber  wieder  die  Ruhrlöhne  die  höchsten.
Was  nun  das  Verhältnis  des  Unternehmergewinnes  zum  Arbeitslohn
  betrifft,  so  stiegen  die  Dividenden  auch  1901  noch  und  weisen
erst  1902  einen  geringen  Rückfall  auf;  trotzdem  wurden  die
Löhne,  wie  wir  sahen,  schon  1901  herabgesetzt,  und  zwar  unter
die  Höhe  von  1899;  1902  erreichen  sie  nicht  einmal  mehr  die
Höhe  von  1889,  und  1903  erholen  sie  sich  auch  nur  bis  zur  Mitte
ihrer  Höhe  in  den  Jahren  1889  und  1899.  Unstreitig  trafen  also
die  ungünstigen  Geschäftsjahre  die  Arbeiter  stärker  als  die  Arbeitgeber.
  Aus  all  dem  folgt,  daß  das  Syndikat  sich  nicht  bloß
keine  Verdienste  um  das  Beständigwerden  der  Löhne  erwarb,
sondern  im  Gegenteil  die  Höhe  derselben  größeren  Schwankungen
aussetzte.  Die  Arbeiter  der  syndizierten  Gruben  nahmen  in  erhöhtem
  Maß  teil  an  dem  Gewinn  der  guten  Jahre,  doch  im  Augenblick
  als  dieser  Gewinn  sich  .einigermaßen  verringerte,  wurde  der
Rückfall  zu  allererst  durch  Ersparnisse  an  den  Löhnen  wettzumachen
  versucht.  Die  absolute  Lohnhöhe  wurde  durch  das
Syndikat  gesteigert,  und  die  Reduktion  überschritt  nicht  jenes
Minimum,  welches  die  Löhne  der  nicht  syndizierten  Werke
vertreten.  Doch  steht  die  Lohnerhöhung  mit  dem  Wachstum
des  Unternehmergewinnes  und  die  Lohnreduktion  mit  der  Verminderung
  desselben  nicht  im  Verhältnis,  beide  zum  Nachteil  des
Arbeiters.