8  23.  Die  Wirkung  der  Kartelle  auf  den  Konsum  und  die  Preisbildung.  221

Preisaufschläge,  welche  für  den  Produzenten  außerordentlich  ins
Gewicht  fallen,  oft  in  Grestalt  unbedeutender  Preiserhöhungen
entgegen;  auch  fehlt  ihm  die  Fähigkeit  und  oft  die  Möglichkeit,
sich  über  das  Verhältnis  der  Preise  zu  den  Produktionskosten  zu
unterrichten.

Kartelle  dieser  Art  müssen  allerdings  mitunter  auf  Händlerinteressen
  Rücksicht  nehmen.  Sie  können  die  Preise  nicht  zu
straff  spannen,  wenn  die  Überwälzung  des  Kartellaufschlags  auf
die  Konsumenten  nicht  stattfinden  kann,  ohne  den  Händlern  ihren
Zwischengewinn  ganz  oder  teilweise  zu  entziehen!)  Wo  aber
auch  diese  Schranke  entfällt,  da  ist  das  Ergebnis  regelmäßig
eine  zügellose  Ausnützung  der  Monopcolstellung  seitens  der  Kartelle
  mit  all  ihren  schweren  sozialen  Folgen.

Anders  bei  Industrien,  die  Rohstoffe  und  Halbzeug  herstellen
und  daher  wieder  Produzenten  als  Abnehmern  gegenüber  stehn.
Hier  würde  ein  Preispolitik,  welche  das  Monopol  voll  auszunützen
bestrebt  wäre,  von  den  Abnehmern  einerseits  vermöge  ihrer  wirtschaftlichen
  Bildung,  andererseits  deshalb,  weil  für  sie  als  Produzenten
  bereits  kleinere  Preisunterschiede  merkbar  werden  und
ins  Grewicht  fallen,  raschestens  erkannt  und  unter  Umständen
auch  wirksam  bekämpft  werden.  Es  können  sich  Gegenkartelle
der  Abnehmer  bilden,  es  können  insbesondere  aus  den  Mitteln
der  Abnehmerverbände  Konkurrenzunternehmungen  errichtet
werden.  Es  steht  mitunter  in  der  Hand  selbst  einzelner  größerer
Abnehmer,  sich  von  dem  Kartell  vollständig  unabhängig  zu  machen,
indem  sie  zur  Deckung  des  eigenen  Bedarfes  an  den  kartellierten
Artikeln,  selbständige  Betriebe  errichten  oder  erwerben.?)  Der
Gegenorganisation  der  Abnehmer  gelingt  es  mitunter,  das  Kartell
ihrer  Vorgänger  im  Produktionsprozeß  zu  sprengen,  indem  einer
oder  mehrere  derselben  durch  die  Zusicherung,  daß  man  ihnen  die
Lieferungen  übertragen  werde,  veranlaßt  werden,  aus  dem  Kartell
auszuscheiden.  Den  durch  die  Preispolitik  eines  Kartells  bedrohten
Produzenten  steht  ihre  genauere  Kenntnis  der  Bezugsverhältnisse,
der  Marktlage,  der  Zoll-  und  Frachttarife  zu  Gebote,  um  einer  über-2)

  Vergl.  hierüber  oben  $  22.

?)  Dies  war  besonders  auch  die  Lage  der  österreichischen  und  ungarischen
Zuckerkartelle,  bei  denen  immer  die  Raffinerien  den  Ausschlag  gaben  und  “  n  Nutzen
des  Kartells  genossen,  während  die  Rohzuckerfabriken  sich  mit  der  Sicherheit  der
Placierung  ihrer  Ware  begnügen  mußten.